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Peter Dargartz/Pixabay

In fortytwo’s nutshell – May Edition

@Peter Dargartz/Pixabay

DE

Die Presseschau dieses Monats gestaltet sich – wie das Wetter – sehr abwechslungsreich. Von kulinarischen Köstlichkeiten aus dem All über tierisch anmutende Roboter bis hin zu möglichen Hinweisen auf die Entstehung von Leben auf der Erde – da sollte für jeden etwas Spannendes dabei sein.

Delikatesse aus dem All

Eine Meldung der New York Times wird vor allem die Herzen aller Weinfreunde unter uns höher schlagen lassen: das Auktionshaus Christies versteigert die Flasche eines französischen Weins, die sich vierzehn Monate auf der Internationalen Raumstation befand. Das Unternehmen Space Cargo Unlimited hat insgesamt zwölf Weinflaschen ins All geschickt. Einige ausgewählte Weinkenner:innen und Wissenschaftler:innen durften bereits im März diesen Jahres den weit gereisten Wein probieren. Ob die Schwerelosigkeit im Weltall einen Einfluss auf den Geschmack hat, ist bisher unklar. Immerhin scheint der Wein durch seine Reise gealtert zu sein.

Der gute Tropfen lässt sich allerdings einiges kosten. Für rund eine Millionen Dollar plant das Auktionshaus die Flasche zu versteigern. Mit dem Erlös sollen weitere Experimente des Unternehmens im All gefördert werden. Wer weiß, was für „spacige“ Getränke wir in Zukunft im Supermarkt finden…

Eine Spinne für den Mond

Die Europäische Weltraumorganisation ESA plant bereits in vier Jahren die erste Mondmission für sogenannte In-Situ Resource Utilization (ISRU). Dabei sollen Ressourcen, die für uns Menschen überlebenswichtig sind, mithilfe von Robotern direkt auf dem Mond produziert werden. Dafür müssen Roboter allerdings zunächst lernen, autonom im Team zusammenzuarbeiten. Gefördert von der Europäischen Kommission entstand zu dem Zweck 2019 das Projekt „Pro Act“ mit dem Ziel, entsprechende Technologien zu entwickeln. Daraus ist unter anderem der Laufroboter Mantis des Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) entstanden, der mit seinen sechs Beinen an eine Spinne erinnert. Gemeinsam mit dem Rover VELES soll Mantis eine ISRU-Anlage aufbauen, berichtet die Astronews-Website.

Proben aus der Ferne

Vergangene Woche hat ein Raumfahrzeug der NASA nach zweijähriger Reise durch das Weltall seinen Rückweg in Richtung Erde angetreten. Das OSIRIS-REx Raumfahrzeug hat Proben eines Asteroiden mit im Gepäck, welcher rund 320 Kilometer von der Erde entfernt ist. Die Proben weisen anscheinend Spuren von Hydrogen- und Sauerstoffmolekülen auf – beides Moleküle, die für die Entstehung von Wasser notwendig sind. Leider müssen wir uns noch etwas gedulden, bis wir sie genauer untersuchen können: Die Rückreise von OSIRIS-REx wird wohl noch rund zwei Jahre dauern. Aber das Warten lohnt sich: Laut Wissenschaftler:innen könnten die Proben Hinweise auf den Ursprung von Leben auf der Erde enthalten!

Von Neele Mühlhoff

ENGL

This month’s press review – like the weather – is very mixed. From culinary delicacies from outer space to animal-like robots to possible clues about the origin of life on Earth – there should be something exciting for everyone.

Special delivery from space

A report in the New York Times will make the hearts of all wine lovers skip a beat: Christie’s is auctioning off a bottle of French wine that had been on the International Space Station for fourteen months. The company Space Cargo Unlimited sent a total of twelve wine bottles into space. Some selected wine connoisseurs and scientists got to taste the well-traveled wine in March. The wine seems to have aged due to its journey, but at this point it is unclear whether the weightlessness in space influences the taste.

The extraordinary bottle comes with a hefty price tag. The auction house plans to sell the bottle for around one million dollars. The proceeds are to be used to promote the company’s further experiments in space. Who knows what kind of “spacey” drinks we’ll find in the supermarkets of the future…

A spider for the moon

The European Space Agency (ESA) is planning their first lunar mission for so-called In-Situ Resource Utilization (ISRU), set to launch in just four years. The idea is to have resources essential for human survival produced by robots directly on the moon. However, robots must first learn to work autonomously as a team. Funded by the European Commission, the “Pro Act” project was launched in 2019 with the aim to develop appropriate technologies. Among other innovations, this has resulted in the walking robot Mantis from the Robotics Innovation Center of the German Research Center for Artificial Intelligence (DFKI). The robot resembles a spider with its six legs. The Astronews website reports that Mantis will build an ISRU facility with help from the rover VELES.

Samples from afar

Last week, a NASA spacecraft began its return trip towards Earth after a two-year journey through space. The OSIRIS-REx spacecraft is carrying samples from an asteroid that is positioned about 320 kilometers away from our planet. The samples show traces of hydrogen and oxygen molecules – which are both necessary for water formation. Unfortunately, we will have to be patient for a while longer; OSIRIS-REx’s return trip will probably take another two years or so. Nonetheless, the long wait will be worth it: According to scientists, the samples could contain clues to the origin of life on Earth!

By Neele Mühlhoff

Decrypting the Universe through Black Holes

Anna-Christina Eilers forscht als NASA Hubble Fellow am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. Mit uns sprach sie über erstaunliche Erkenntnisse ihrer aktuellen Forschung, ihre Faszination für Quasare und die Möglichkeit, durch schwarze Löcher die Entwicklung des Universums (etwas besser) zu verstehen.

Schwarze Löcher üben eine große Faszination auf uns auf. Sie beeinflussen die Entstehung und Entwicklung der Galaxien und stellen dennoch die Grenzen unseres Wissens dar. Aktiv wachsende schwarze Löchern werden auch Quasare genannt. Genau damit beschäftigen Sie sich in Ihre Forschung. Was fasziniert Sie an schwarzen Löchern am meisten? 

Ihre Unvorstellbarkeit! Alles an ihnen übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Schwarze Löcher können 10 Milliarden mal schwerer als unsere Sonne werden. Man kann sie nicht sehen, da sie so massereich sind, dass selbst Licht komplett verschluckt wird, wenn es einem schwarzen Loch genügend nahe kommt. Aber wachsende schwarze Löcher sind paradoxerweise die hellsten Objekte, die wir im Universum kennen. In der Wachstumsphase wird ein Teil der angezogenen Materie in Energie umgewandelt. Dieser Anziehungsprozess ist so leuchtkräftig und energetisch, dass wir solche wachsenden schwarzen Löcher, sogenannte Quasare, auch dann noch beobachten können, wenn sie viele Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Und schwarze Löcher können Wellen in Raum und Zeit erzeugen, sogenannte Gravitationswellen, die wir seit ein paar Jahren nach vielen Jahrzehnten Forschung zum ersten Mal nachweisen konnten. All diese Eigenschaften schwarzer Löcher sind einfach unvorstellbar und viele Größenordnungen schwerer, größer und energiereicher als alles, was wir so kennen.

Das Phänomen der schwarzen Löcher zu verstehen fällt Laien oft sehr schwer. In der aktuellen Ausgabe unseres Magazins rät die Astrophysikerin Priyamvada Natarajan, sich schwarze Löcher als kompakte Objekte mit einer enormen Masse vorzustellen. Wie würden Sie diese rätselhaften Objekte beschreiben? 

Das ist eine ziemlich gute Beschreibung! Schwarze Löcher sind unvorstellbar dichte und kompakte Objekte, das heißt, ihre Masse ist so groß auf ganz kleinem Raum, dass ihre Gravitationskraft so enorm ist, dass nicht einmal Licht entkommen kann. Man kann zum Beispiel ausrechnen, wie groß die Erde sein müsste, damit sie so kompakt wie ein schwarzes Loch wäre: Wenn man die komplette Erde auf die Größe einer Murmel schrumpfen würde mit einem Durchmesser von weniger als 2 cm, dann wäre sie kompakt genug, dass nicht einmal Licht entkommen könnte und hätte damit die Eigenschaften eines schwarzen Lochs.

Als Astrophyiker:in blickt man meistens in die Vergangenheit. Welche Erkenntnisse können Sie aus der Beobachtung der Quasare ziehen? Was hat Sie dabei besonders überrascht? 

Jede astronomische Beobachtung, die wir durchführen, schaut in die Vergangenheit. Das Licht von Sternen, die wir heute am Nachthimmel sehen, ist oft viele Jahre lang unterwegs, bis es bei uns auf der Erde ankommt. Das Licht derjenigen Quasare, die mich besonders interessieren, hat mehr als 13 Milliarden Jahre gebraucht, bis wir es mit unseren Teleskopen auf der Erde beobachten konnten. Dadurch erlauben uns diese weit entfernten Quasare einen Blick in die Geschichte unseres Universums, sie nehmen uns sozusagen auf eine Zeitreise. Dadurch können wir verstehen, wie und auf welche Weise sich das Universum entwickelt hat.

In meiner Forschung habe ich eine sehr überraschende Entdeckung gemacht: Wir konnten feststellen, dass die schwarzen Löcher im Zentrum der Quasare bereits vor 13 Milliarden Jahren unglaublich schwer und massereich waren. Das hat uns sehr überrascht, da alle Modelle zum Wachstum schwarzer Löcher bisher davon ausgegangen sind, dass es sehr, sehr lange dauert, bis die schwarzen Löcher genügend Materie angezogen und verschlungen haben, damit sie so massereich sein würden. Diese Ergebnisse stellen uns momentan vor große Rätsel und wir müssen unsere Modelle überarbeiten, um zu verstehen, wie und wie schnell schwarze Löcher tatsächlich wachsen können.

Glauben Sie, dass es der Wissenschaft irgendwann gelingt, schwarze Löcher komplett zu begreifen? 

Nein, ich glaube, dass Astronomen auch noch in vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten damit beschäftigt sind werden, schwarze Löcher zu entschlüsseln! Allerdings finde ich es immer wieder auf’s Neue beeindruckend, wie viel wir auch schon wissen! Das schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße wurde beispielsweise schon sehr genau untersucht und vermessen, obwohl wir erst seit den 90er Jahren wissen, dass es wirklich existiert. Und seit ein paar Jahren können wir schwarze Löcher auch mit Gravitationswellen nachweisen und untersuchen, was ganz neue und einzigartige Möglichkeiten öffnet.

Anna-Christina Eilers studierte Physik in Göttingen und Heidelberg und promovierte anschließend am Max-Planck-Institut für Astronomie. Mittlerweile forscht sie als NASA Hubble Fellow am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. 2020 wurde sie mit dem KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung im Fachbereich Physik ausgezeichnet.

Anna-Christina Eilers majored in physics in Göttingen and Heidelberg before earning her doctorate at the Max-Planck Institute for Astronomy. Currently, she is a NASA Hubble Fellow at the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. In 2020, she was awarded the Klaus Tschira Foundation’s KlarText Award for Science Communication in physics. For this interview, she told us about amazing insights from her current research, her fascination with Quasars, and the possibility of using black holes to understand the universe’s evolution (a little better).

Black holes are fascinating to us. They influence the formation and evolution of galaxies and yet represent the limits of our knowledge. Actively growing black holes are also called Quasars, which you deal with in your research. What fascinates you most about black holes? 

How unfathomable they are! Everything about them exceeds what we can imagine or comprehend. Black holes can become 10 billion times heavier than our sun. You cannot see them because their massive size completely swallows light if it gets close enough to a black hole. However, growing black holes are paradoxically the brightest objects we know of in the universe. During their growth phase, black holes convert some of the matter they attract into energy. This attraction process is so bright and powerful that we can observe growing black holes, called Quasars, even when they are many billions of light-years away from Earth.

Additionally, black holes can generate gravitational waves. We have been able to detect these waves in space and time only for the last few years after many decades of research. The attributes of black holes are many times heavier, larger, and more energetic than anything we know and, therefore, difficult to grasp.

Understanding the phenomenon of black holes is often very difficult for amateurs. In the current issue of our magazine, astrophysicist Priyamvada Natarajan advises people to think of black holes as compact objects consist enormous mass. How would you describe these enigmatic objects? 

That’s a pretty good description! Black holes are unimaginably dense and compact objects. Their mass is so large in a minimal space that their gravitational force is enormous enough that not even light can escape. As an example, we can calculate how large the Earth would have to be for it to be as condensed as a black hole. Suppose you were to shrink the entire Earth to the size of a marble with a diameter of less than 2 cm. In that case, not even light could escape that size, thus achieving the properties of a black hole.

As an astrophysicist, you mostly look into the past. What insights can you draw from observing the Quasars? What surprised you? 

Every astronomical observation looks into the past. The light from stars that we see in the night sky today often travels for many years before it reaches Earth. The light from those Quasars is of particular interest to me, as it took more than 13 billion years before we could observe it with our telescopes on Earth. As a result, these distant Quasars allow us a glimpse into the history of our universe, taking us on a journey through time. They allow us to understand how and in what way the universe has evolved.

Through my research, I discovered something remarkable. We were able to determine that the black holes at the center of the quasars were already incredibly dense and massive 13 billion years ago. Up to this point, all models of black hole growth assumed that it would take long periods of time for the black holes to attract and engulf enough matter to achieve a mass of such remarkable size. These new discoveries surprised us and have created many further questions. We need to revise our models to understand the way black holes grow and at what speed they increase in size.

Do you think that science will eventually succeed in completely understanding black holes? 

No, I believe that astronomers will still be deciphering black holes in many decades and centuries to come! However, I am consistently impressed at how much we know already! For example, the black hole in the center of our Milky Way has already been carefully examined and measured, despite only knowing of its existence since the 1990s. And for a few years now, we have been able to detect and investigate black holes with gravitational waves, which opens up completely new and unique possibilities.

Interview: Neele Mühlhoff

In fortytwo’s nutshell – April Edition

DE

Während wir uns noch immer im Corona-Lockdown befinden und Urlaub in anderen Ländern nur eingeschränkt möglich ist, erfreuen wir uns an den etwas anderen Fotos aus der Ferne: In diesem Monat hat der Marsrover “Perseverance” erstmalig Bilder vom Mars geschickt. Außerdem reisen wir im April nach Tibet, um einem aufregenden Experiment beizuwohnen, bei dem es um „surfende“ Teilchen in der Erdatmosphäre geht. Und zu guter Letzt staunen wir über die enormen Mengen an Weltraummüll, der unsere Erde umkreist, wie gefährlich die herumfliegenden Teile sind und was getan wird, um den Müll wieder einzufangen.

Fotos aus der Ferne

Bereits in der März-Ausgabe der Presseschau haben wir von dem Marsrover “Perseverance” und dem kleinen Hubschrauber “Ingenuity” berichtet. Beide befinden sich aktuell auf ihrer ersten Mission auf dem Mars. Im März gab es die ersten Audio-Aufnahmen, diesen Monat dürfen wir uns über Bilder aus der Marsatmosphäre freuen. Die beiden haben uns nämlich Anfang April das obligatorische Selfie zugesendet. 

Eigentlich war auch ein erster Flug von „Ingenuity“ geplant gewesen. Dieser musste allerdings aufgrund technischer Probleme vorerst verschoben werden. Sollte die Mission erfolgreich sein, können wir auf viele weitere, spektakuläre Bilder vom Mars gespannt sein. Es wäre der erste Motorflug auf einem anderen Planeten.

Superschnelle „Surfer“ im Kosmos

Im tibetischen Hochland ist es Wissenschaftler:innen gelungen, 23 Strahlungsquanten mit enorm hoher Energie nachzuweisen. Diese stammen aus unserer Galaxie, lassen sich dort allerdings bisher keiner bekannten astronomischen Quelle zuordnen. Es scheint so, als wäre die Gammastrahlung im Raum zwischen den Sternen entstanden. Wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtet, steht damit für die Astrophysiker:innen des „Tibet AS-Gamma Experiment“ fest: Irgendwo in unserer Milchstraße gibt es Regionen, die Teilchen auf extreme Energien von bis zu einer Billiarde Elektronvolt beschleunigen. In Frage kommen hier die Stoßfronten von Supernova-Explosionen, die Materie für Jahrtausende vor sich her schieben. Geladene Teilchen können auf dieser Welle „surfen“, sie wiederholt überqueren und dadurch immer mehr Energie erlangen. Kollidieren sie später mit interstellarem Gas, setzt der Zusammenstoß Gammastrahlung frei. Das Experiment stellt für die Forscher:innen einen Hinweis auf den Ursprung kosmischer Strahlung dar. 

Müll im Weltraum

Im LEO, dem low earth orbit, einer Umlaufbahn unseres Planeten, schwirren mit rund 15.500 Objekten sowohl die meisten Satelliten als auch der meiste Weltraumschrott herum. Dieser Schrott entsteht durch Explosionen oder Kollisionen mit anderen Objekten. Am gefährlichsten sind dabei herumfliegende Teile, die eine Größe zwischen einem und zehn Zentimeter haben. Für eine Beobachtung sind sie zu klein, dennoch können sie Satelliten zerstören oder beschädigen. Es wird daher versucht, den Weltraumschrott mithilfe von kreativen Methoden wie beispielsweise Netzen oder aufblasbaren Segeln wieder einzufangen. Diese und weitere Informationen hat die ZEIT in anschaulichen Grafiken dargestellt. Auch in unserer aktuellen fortytwo-Ausgabe gibt es zu dem Thema übrigens ein spannendes Interview mit Tiago Soares.

EN

While Corona lockdowns are still in place and travel to other countries is not permitted, we can still enjoy impressions from afar. This month, the Mars rover “Perseverance” sent the first pictures from its explorations on our neighbouring planet. April also sees us traveling to Tibet in April, just in time to witness an exciting experiment involving “surfing” particles in the Earth’s atmosphere. And last but not least, we marvel at the enormous amounts of space debris orbiting Earth while exploring how dangerous the floating pieces really are, as well as what is being done to recapture the trash.

Impressions from afar

In the March issue of the press review, we already reported on the Mars rover “Perseverance” and the small helicopter “Ingenuity”. Both are currently on their first mission to Mars. In March, we received the first audio recordings, this month we can look forward to pictures from the Martian atmosphere. The two sent us the obligatory selfie at the beginning of April. 

Originally, Ingenuity’s first flight was scheduled. However, it had to be postponed for the time being due to technical issues. If the mission is successful, we can look forward to many more spectacular pictures from Mars. It would be the first powered flight on another planet

Speedy cosmic “surfers”

In the Tibetan highlands, scientists have successfully detected 23 radiation quanta with enormously high power. Albeit we know that they originate from within our galaxy, no known astronomical source has been conclusively assigned to the radiation quanta. 

It seems as if the gamma radiation originates from the space between the stars. As the science magazine Spektrum reports, the astrophysicists of the “Tibet AS-Gamma Experiment” are certain that somewhere in our Milky Way, there are regions that accelerate particles to extreme energies of up to a quadrillion electronvolts. A possibility might be the shock fronts of supernova explosions, which are capable of pushing matter ahead of them for millennia. Charged particles can “surf” on this wave, crossing it repeatedly and gaining increasingly more energy. If they later collide with interstellar gas, the collision releases gamma rays. For the researchers, the experiment is a lead towards understanding the origin of cosmic rays. 

Space garbage

Roughly 15,500 objects are floating around within LEO (low earth orbit), comprised of satellites and space debris. This junk is created when explosions occur, or objects collide in space. The most dangerous pieces flying around are between one and ten centimeters in size. They are too small for observation, yet they can destroy or damage satellites. Therefore, attempts are being made to recapture the space debris using creative methods such as nets or inflatable sails. ZEIT has presented this and other information in vivid graphics. By the way, there is also an exciting interview on this topic in our current fortytwo issue with researcher Tiago Soares of ESA.

wirtten by Neele Mühlhoff, translated by Laura Emily Schulze

“There was a diffused feeling of solidarity with the RAF at first”

Photo: Eva-Lotte Hill

42: Dr Gehrig – how would you, as a historian, define terrorism?

Sebastian Gehrig: That is a difficult question. There are different conceptions. For me, a more recent explanation goes in the right direction which categorises terrorism as a form of political violence and political language. Communication research specialists have been intensively studying how terrorist groups, whether of an ethnic-, left-wing terrorism- or Islamic terrorist nature make use of violence to communicate certain political claims or statements. This depends on which types of attacks are chosen by terrorist groups and how these are prepared and executed.

42: This means terrorists as distributors of a certain message. What are the reactions to such a message?

SG: You must ask questions like: Who feels solicited by terrorism? What kinds of reactions does it provoke in the population? How does the nation proceed? Not only about police-led countermeasures but also in terms of the portrayal of terrorists. What are the measures taken to deny terrorisms legitimacy?

42: In general, would this theoretical approach of communication offer a better understanding, since it does not initially evaluate terrorist acts?

SG: I think so, it is valuable that there is no immediate danger of getting caught up in the logic behind actions of terroristic groups and governing countries. This approach is especially worthwhile from the perspective of a historian reevaluating past events. If we do not want to understand the motivation of the individuals who slip into extremism and devote their lives to the cause of political violence, then there will be no comprehension of the initial reason. As historians, we want to understand why people in certain historical moments regard terrorist actions as legitimate.

42: Your focus of study is left-wing terrorism in Germany during the 1970s. What are reasons for this kind of left-wing terrorism?

SG: Historically, and rightfully so, the answer usually refers to the undigested nationalist- and fascist past of Germany and Italy after World War II. This is what provides the moral indignation and legitimisation for the left-wing radicals who are politically socialised in the late sixties by student protests. After these protests die down and the social support within the radical working class dwindles certain people move towards a more radical mindset. Above anywhere else this happens in northern Italy, in Bologna and Milan but also in West-Berlin and Frankfurt. In Germany and Italy, this would mainly be the Red Army Faction (RAF) and the Red Brigades. In these centres, it is apparent that originally left-wing terrorism used to be a local affair. It was important to a lot of later terrorists to regain the lost momentum of the German student movement of 1986.

42: Why did young people in Germany become violent in the 1970s?

SG: Two things made this possible. On the one hand, the state which is still in parts seen as fascist and the undigested NS-past function as a moral legitimation for carrying out the protest through armed violence. On the other hand, networks play an important role. First, there are the strongly developed West German and Italian networks in the late 1960s which made certain conjunctions to the Middle East possible. The first generation of the RAF travelled to Lebanon to be trained in combat arms so that a new level of radicalism can become a reality. Both reasons, legitimisation and networks, are necessary to explain why in the 1970’s young people slipped into armed violence. It is important to look at the ’86 movement but also keep in mind the local and personal networks. In this way, people could come together who assessed the political situation in Europe in a similar way and together, would slide into radicalism.

42: Did the members of groups like the RAF or the 2 June movement understand their actions as terrorism?

SG: I think that terror groups never see themselves as terrorists. They understand their acts as a political struggle for freedom for a certain cause. The RAF’s self-assessment and 2 June movement are no different, whereas the 2 June movement particularly saw themselves as a militant side-arm of the local scene in the West Berlin environment and not so much as a West German terrorist group. Looking at the RAFs programmatic steps, it becomes distinct that from the start, they had a much higher ideological aspiration and tried to support the struggles for liberation in Third world countries. They saw themselves as a fifth column of the struggle for liberation of the Third World along the tradition of oppositions in the Vietnam war. They also used the language of radical Maoism, modelled after the People’s Republic of China to legitimise why it even is reasonable to apply radical political means in Western Europe during peaceful and stabilised times.

42: If the focus was from the start on a solidarity with the Third World, why was Germany chosen as the target for an attack?

SG: West Germany’s position as an accomplice to the United States and its status as a colonial and a hegemonic power was why the RAF attacked Germany to support the struggles of liberation in the Third World. This becomes clear from the letters of the first generation of the RAF; claiming responsibility. The second and third generation changed their approach to a more inward-looking perspective, which aimed mostly at freeing captured members. The world political aspiration is being kept alive theoretically but looking at the potential, aims and types of action, it becomes apparent that the actual implementation of this ideological agenda becomes less important after the 1972 wave of arrest.

42: Did something like a long-term objective exist?

SG: That is a good question because the left-wing terrorism in the federal republic is mostly unspecified. It remains unclear where the struggle against the perceived fascist regime in Bonn and the imperialist US eventually lead to. The most referenced point can be maybe seen in the early political radicalisation as part of the student movement of 1967-69, in which many varieties of socialist and communist revolution were being discussed. Nevertheless, the RAF never really made clear what their goal as a terrorist group is in the 1970s. This lead to the decrease of support for the RAF not just in the general population but also in their own left-wing, radicalised environment. The lack of straight forward claims as to what they are trying to accomplish is probably one of the biggest weak points of left-wing terrorism at the time.

42: From which social backgrounds were the terrorists recruited?

SG: In general, it is correct and also emblematic for West German left-wing terrorism that especially the leaders of the first generation, were seen as well-off citizens. Interestingly the women were perceived as “daughters”. Their actions were a shock for the Federal German society of the 70s. The only exception would be Andreas Baader who is often attributed a semi-proletarian background. In a kind of “Bürgerschrecknarrativ”, its often portrayed that those young women, especially Ulrike Meinhof and Gudrun Ensslin, were seduced by Baader to become terrorists. This also says a lot about the West German gender discourse of the 1970s. The question is such: Who is regarded as a student during this time in West Germany? We happen to be talking about the time before the social-democratic education expansion, through which more children of workers are able to attend university. The main reason why a big part of the first generation was of a higher social standing can be found in the fact that the university demographic and the student movement mainly consisted of well-off middle class which is mirrored in the composition of the RAF. This applies to the first generation.

42: And the second RAF generation?

SG: After the arson in a department store in Frankfurt in 1986, Baader, Ensslin and Meinhof put more effort into working with children’s homes and thus encountered youth from completely different social environments who then strongly shape the second generation. This is how the social differences between the RAF generations came about.

42: Let’s move from the sociology of the offenders to the sociology of the victims – who were they?

SG: If we look at the first big wave of attacks in 1972, these were geared mainly towards American military bases. On the other hand, in the attack on the Springerhaus in Hamburg most victims were working in production. The working class became a target of one of the RAF’s first attacks. This immediately led to a widespread rejection of the RAF in many social classes. Yet again, structural issues like the selection of their targets and their legitimacy were exposed. The rejection grew the more people become victims. A reason for the general rejection of the RAF was, for example, the many controls implemented by authorities which lead to gunfights with activists, resulting in deaths of policemen.

42: Who was supposed to be targeted?

SG: The intended targets are initially very much symbolic. In 1972 the RAF chose objects like the Springerhaus to attack the seemingly fascist controlled West German press as well as individuals that were understood to be of emblematic importance for the West German state. A known example would be the Schleyer-kidnapping or the tried kidnapping of Judge Günter von Drenkmann in 1974 which ended in him being shot. These examples show how the RAFs ideological reasons are narrowed down rapidly and severely. The RAF moves from symbolic targets, which are rooted in student movements and the left-wing radical development of the late 1960s to a strategic terrorism that specifically targets leaders of the state and financial capitalists. The ideological narrowing of the first to the second generation becomes very apparent.

42: What do you think about the claim that there was a sympathetic attitude among students towards the RAF?

SG: There is a diffused feeling of solidarity with the RAF among leftist radicals until the end of the 1970s. The topics of the protests change, for example, towards the anti-atomic power protests. Participating in such, many activists experience police brutality, whereupon a lot of the affected become radicalised. This leads to alternation of violence on both sides which often is provoked by the Government. The result is a situation in which one might experience violence inflicted through police which leads to a feeling of solidarity with others who have also been mistreated by the Government. Surely one of the most important things, and something the RAF leadership generates very skilfully is to keep a certain feeling of solidarity within their own environment. For example, the idea that left-wing terrorists are being tortured and abused in West German prisons. Even if terrorism is mostly being rejected as a political resource, the staging of RAF prisoners in isolation leads to a basic solidarity. There exists an ambivalent game which the RAF knows how to operate to their advantage. By inviting famous, international visitors like Jean-Paul Satre to visit the leading RAF members in Stammheim, the relationship between the left-wing radical milieu and the RAF is being kept alive. The changes brought upon by the so-called German Autumn in 1977 when an overwhelming majority of the left milieu officially announced that they will no longer support and back the ambivalent solidarity of the left- wing terrorists, but rather denounce terrorism as a political strategy.

42: How would you describe the dominant feeling among the majority movement regarding RAF?

SG: Society was dominated by the feeling of fear. Various waves can be detected in hindsight. Peaks were reached in 1972 with the first wave of attacks and in 1975 with the kidnapping of Lorenz and then a last time in 1977. In general, there is also a certain every-day feeling of living in a threatened society. This means that people got used to regular police controls in cities like Karlsruhe and Bonn. The general feeling of the public is intensified by the political confrontation between the SPD Government and the CDU and then again enhanced by the media who paint a stereotypical image of left-wing terrorists. There exists a growing feeling of fear in the left wing because solidarity with terrorists is being expected by befriended comrades. The most known case in which this forced support ends in a murder would be the exposure of an intelligence service informant, who was lead into an ambush only to be shot. There is a fear of being woken up in the middle of the night, to be asked by a radicalised friend to grant him asylum. The threat of being pulled into the terrorist scene is a common fear.

42: Was there a kind of subcultural “playfulness” with this extremism? A “radical chic” of the RAF which ultimately made the organisation fashionable?

SG: This seems to be the case for the wider milieu in the phase from 1967 to 1970 because there was no way to know yet to what personal and additional consequences the armament would lead to It was not clear that the RAF would ultimately lead to real experiences and exercises of violence. The general romantic association connected to the struggle for independence of Third World countries played an important role in the emergence of terrorism. This romanticisation then influenced the clothing and musical genres of the time. 1968 was a year of protests, pushed further along by the media and ensured a feeling among the radicalised left that there are other likeminded people out there who might be possibly pursuing different political goals but who still dress the same and use a similar political language. This longing for an imagined, inclusive space resembling a struggling Third World country opposed a sometimes boring West German society and was crucial for the begin of terrorism. This thought up connection to the collective lead to many not just being radicalised as an individual but also as part of a group. The effort of some to become the leader within their groups surely added to the advance of radicalism and the downward spiral of political violence.

42: What did the advance of terrorism mean for the young federal republic, especially for the then governing SPD?

SG: Besides the East, left-wing terrorism was one of the main problems of the social-liberal government. The conservative opposition, under the leadership of the CDU, tried from the start to portray the ensuing violence as a consequence of the SPD’s reform policy, thus delegitimising the government behind Willy Brandt (1969-1974). During World War two Brandt was active in the SADP’s underground movement and from then on closely associated with his communist past. The same goes for the then parliamentary party leader Herbert Wehner. Leading SPD personalities were being linked to left-wing terrorism in the public discourse. Additionally, there were accusations that the reform policy of the SPD and the easing of social norms supported left-wing radicalism at least indirectly. The accusations lead the SPD to execute drastic counter-measures, for example meaning the so-called “Radikalenerlass” from 1972. In accordance with the order, individuals who were suspected to be connected to communists were no longer allowed to work as a teacher or in any kind of civil service, which back then included the postal service and train system. The circle of all persons concerned was respectively high. The SPD gave way to the internal pressure with this illiberal legislation. The debate of internal safety concerned from the start, not just the RAF but also the surrounding and probably supporting milieu, which, from a conservative point of view, also includes the SPD government and leading left intellectuals.

42: What ended the era of left-wing terrorism? Is it due to an eventually successful manhunt or were there other reasons?

SG: To attribute the end of left-wing terrorism only to a successful manhunt would not reach far enough. Surely the Federal Bureau Police Office became one of the leading federal polices in western Europe due to their increase of digitalisation. The rapid, statewide countermeasures, which relied on computer technology – the early stages of digital Europe-wide persecution- lead to the capture of many terrorists right after the attacks. The highest officials were arrested relatively quickly after the so-called “Mai-Offensive” of 1972. The government proved its action ability through the arrests. The German Autumn of 1977 also proceeded well since the liberation of the Lufthansa Airplane in Mogadishu happened without causing any civic deaths. A failed release would have been a symbolic disaster for the government and might have lead to a constitutional crisis.

42: If these successful governmental countermeasures did not lead to the end of terrorism, then what did?

SG: In the long term, it was more the rejection of terrorism within the radical left milieu, which lead to a stronger isolation of the RAF in the 1980s. We know today that the RAF became increasingly more dependent on networks from the Middle East and the Stasi in East Germany due to their own networks not being reliable anymore. The experience of terrorism and the triggered governmental countermeasures lead to a general impression by the activists that participating in international struggles exceeds the potential of the left-wing in West Germany. Consequently, left-wing radicalism changed from the 1970s to the 1980s. It became more regional, like local anti nuclear power protests at planned construction sites. Other activists turned into squatters or fled into the countryside. The old idea of needing to revolutionise a small circle first before changing society became more universally believed. Many female activists concentrated mainly on feminism and the women’s movement. These diverse kinds of protests in the mid-1970s lead to a loss of connection to world political issues which used to be the focus in 1968. I believe that this development lead to more of a decline in radicalisation than the successful manhunt implemented by the government.

42: The hunt for terrorists is being seen as a failure in recent history. Are there structural parallels between left-wing terrorism and today’s Islamist terror?

SG: I see the biggest structural similarity in the way terrorism is being approached by society. This diffused feelings that one particular group is being seen as threatening Today, this group consists mainly of Muslim immigrants. The debates of the last months about failed prosecutions through misconduct by the authorities has a lot of parallels to the discourses of the 1970s. In the case of the kidnapping of Hanns Martin Schleyer, the house his kidnappers hid him in was discovered as such by authorities, but this information never reached the police who were thus not able to follow the lead. The way society handled terrorist threats was similar to today, only the subject of worry has changed. And yet terrorism is not seen as an inner-societal threat but more something that comes into the country from the outside, as with the refugee crisis.

42: What lessons can be derived today from the parallels between left-wing terrorism and Islamic terror?

SG: Parallels can be identified through looking at when public debates lead to a radicalisation of society, and governmental actions went too far. It comes down to the questions, which rights news services should have and at what point should basic rights and constitutional limitations be tested in a criminal prosecution. These boundaries were violated in the 1970s which lead to potentially more people being radicalised. The distinction remains that the threat back then was seen to be coming out of society whereas today it is external. In general, the history of left-wing terrorism teaches us that individual and socio-economic reasons have to be regarded when it comes to active terrorists.

42: How do you assess the existence of today’s left-wing terrorism in Germany?

SG: There are resurfacing waves of anonymous left-wing radicals from time to time, especially in Berlin and Hamburg where cars have been set on fire at night. After the RAF was dissolved at the end of the 1990s, there was no terror network left. By now the radical left in Germany occupies themselves, if at all, only with the ideological remnants of the RAF era. Still, there are real repercussions caused by the RAF that we have to address. Last year a security van was raided which can most likely be linked back to the third generation of RAF members. There has never been a general amnesty for left-wing terrorists in the Federal Republic of Germany, so some members of these groups still live in hiding among society.

42: A known former member of the left-wing terrorist organisation Anti-Imperialist Cell publicises radical Islam today. The common link seems to still be anti-imperialism. Is there an explanation for the phenomenon of activists converting to a different cause?

SG: Ideologically, the connection between the radicalised left and Islamic radicalism goes back to the 1970s. For the West German left, this past is unpleasant. After the attack on the Olympic games of 1972, the RAF approved the actions of the attackers publicly. This happens within a context of the radicalised left in western European turning away from Israel after supporting the country through the decades after 1945. The more Israel became an imperial power in the Middle East, especially after the Six-Day War in 1967 and the occupation of West-Jordan and the Gaza Strip, the more the left-wing radical milieu repositions itself. This leads to Israel changing sites through anti-imperialist rhetoric and logic of the time, to become part of Western imperialist powers. It is possible that old left-wing activists are still stuck in this mind-set today and get enthused by Islamic terrorism. Keeping in mind the background of Germany’s historic responsibilities after the Holocaust, the left will have to deal with the results of their strong anti-Zionism of the 1970s for a long time to come. These are debates which influence even today’s party’s politics. The relationship to Israel continues to be ambivalent.

42: Lastly, let’s look a Europe. Can you outline the developments of 1970’s European terrorism?

SG: Looking at death tolls, the 80s and 90s meant the peak of terrorism in Europe. This stands in contrast to how the European society experiences this constant feeling of being threatened today. Because of the attack on the Pan Am Flight 103, 1988 is the year with the highest number of terrorist caused deaths in Europe. The quantity and frequency of terrorist attacks – the ETA in the Basque country, the IRA in Northern Ireland, the RAF in West Germany, the Red Brigades in Italy and beginning in the 1980s, also the Action Directe in France – were higher back then than they are today. This shows how powerful terrorism is when it comes to spreading the feeling of danger, going beyond actual attacks. There was an attack in Spain in 2004 and the attacks in France last year have caused many victims. The attacks in Great Britain last week took many lives, racking up the death toll. In the 1970s and 1980s it was ethnically and politically motivated terrorism that caused fear, be it in Northern Ireland, the Basque country, in Italy, the Federal Republic of Germany or France. This is replaced by few and mostly ignored Islamic attacks in Europe which already happened all the way back in the 1970s and 1980s. Only since 9/11 are these attacks seen as a big threat to public safety.

42: So, it is religious and not secular terrorism which is seen as the prevalent danger today.

SG: You could say that, yes.

42: You already mentioned that religious terrorism is perceived as a threat from the outside. Is the fear of internal European terrorism over?

SG: It became apparent that fears of a resurgence of political violence in Northern Ireland still seem to exist in the light of the Brexit debate. Nevertheless, before July we would not have talked about this fear. Possibly as a debate with Britain but not in an European context. The fact that the French and German press ponder this question would have probably not happened to this extent before Brexit. It is apparent that the potential of a general feeling of danger is not over It all depends on the political situation. The exact opposite example would be the ETA, which a couple of weeks ago, gave up the secret location of their last remaining weapons. In both examples, it can be seen how persistent the phenomenon of political violence in the public debate is and how quickly it can resurface in an open discourse.

42: Dr Gehrig, thank you very much for this interview.

Interview: Jonas Hermann and Lena Kronenbürger

Translation: Laura Emily Schulze

“Bis Ende der 70er-Jahre gab es eine diffuse Solidarität mit der RAF”

Foto: Eva-Lotte Hill

42: Wie definieren Sie, Herr Dr. Gehrig, als Historiker Terrorismus?

Sebastian Gehrig: Eine schwierige Frage! Da gibt es verschiedene Auffassungen. Für mich führt eine der jüngeren Erklärungen am weitesten, die Terrorismus als Form politischer Gewalt und als eine Art von politischer Sprache betrachtet. Kommunikationswissenschaftler haben sich sehr intensiv damit beschäftigt, wie terroristische Gruppierungen – sei es ethnischer Natur, Linksterroristen oder auch islamistische Terroristen – sich der Gewalt bedienen, um gewisse politische Forderungen oder Nachrichten zu kommunizieren. Davon hängt ab, welche Art von Anschlägen von terroristischen Gruppen gewählt, wie sie vorbereitet und wie sie inszeniert werden.

42: Also Terroristen als Sender einer Botschaft. Wie steht es um die Reaktionen auf diese Botschaft?

SG: Dafür muss man Fragen stellen wie: Wer fühlt sich von Terrorismus angesprochen? Welche Arten von Reaktionen bringt er in der Bevölkerung hervor? Wie reagiert der Staat? Nicht nur in Bezug auf polizeiliche Gegenmaßnahmen, sondern auch bezogen auf die Darstellung der Terroristen. Wie versucht man dem Terrorismus jegliche Form von Legitimität abzusprechen?

42: Würde sich dieser kommunikationstheoretische Ansatz zum besseren Verständnis grundsätzlich anbieten, da er Terrorakte erst einmal nicht wertet?

SG: Ich denke schon, denn der weiterführende Gewinn ist, dass man sich nicht sofort in den Handlungslogiken von Terroristengruppierungen und reagierenden Staaten verfängt. Besonders als Historiker ist dieser Ansatz wertvoll, wenn man Geschehnisse rückblickend untersucht. Wenn wir die Motivation einzelner, die in den Terrorismus abgleiten und sich dieser Art von politischer Gewalt verschreiben, gar nicht erst verstehen wollen, dann kann man den Gründen nicht näherkommen. Wir als Historiker wollen verstehen, warum Menschen in gewissen historischen Momenten terroristische Handlungsakte persönlich als legitim betrachten.

42: Ihr Forschungsschwerpunkt ist der Linksterrorismus in Deutschland der 70er-Jahre. Was sind die Gründe für diesen Linksterrorismus?

SG: Als historische Antwort wird meist und auch richtigerweise die unzureichend aufgearbeitete nationalsozialistische und faschistische Vergangenheit Deutschlands und Italiens nach dem zweiten Weltkrieg angeführt. Das ist es auch, was die moralische Entrüstung und Legitimität für Linksradikale liefert, die sich zunächst in den späten Sechzigern durch Studentenproteste politisch sozialisieren. Nachdem diese Proteste dann abebben und der soziale Rückhalt innerhalb der radikalen Arbeiterklasse abnimmt, driften bestimmte Leute in die Radikalität ab. In Deutschland und Italien sind das vor allem die Rote Armee Fraktion (RAF) und die Roten Brigaden. Das geschieht vor allem in Norditalien, in Bologna oder Mailand, oder auch in West-Berlin oder Frankfurt. An diesen Zentren sieht man, dass der Linksterrorismus ursprünglich eine lokale Geschichte ist. Es war vielen späteren Terroristen wichtig, das verlorene Moment der 68er-Bewegung wiederzugewinnen.

42: Warum greifen junge Menschen in Deutschland der 70er-Jahre zur Waffe?

SG: Zwei Dinge haben das ermöglicht. Zum einen der noch immer in Teilen als faschistisch angesehene Staat und die noch unzureichend aufgearbeitete NS-Vergangenheit als moralische Legitimation dafür, den Protest mit bewaffneter Gewalt aufzuladen. Zum anderen spielen Netzwerke eine wichtige Rolle. Zunächst sind da die stark ausgeprägten westdeutschen und italienischen Netzwerke in den späten 1960ern, die eine gewisse Verbindung zum Nahen Osten ermöglichen. Die erste Generation der RAF fährt in dieser Zeit zur Ausbildung an der Waffe in den Libanon, sodass eine neue Stufe der bewaffneten Radikalität entstehen kann. Beide Punkte, Legitimation und Netzwerke, sind wichtig, um zu erklären, warum junge Menschen um 1970 in die bewaffnete Gewalt abgleiten. Man muss also sowohl die 68er-Bewegung sehen, aber eben auch diese lokalen und persönlich bedingten Netzwerke betrachten. So konnten sich Menschen zusammenfinden, die die politische Lage in Europa ähnlich beurteilten und dann gemeinsam in die Radikalität abdrifteten.

42: Haben die Mitglieder von Gruppen der RAF oder der Bewegung 2. Juni ihre Handlungen selbst als terroristische Akte verstanden?

SG: Ich denke, dass sich terroristische Gruppierungen nie selber als Terroristen sehen. Sie begreifen ihr Handeln als eine Form von politischem Freiheitskampf für eine gewisse Sache. Die Selbsteinschätzung der RAF und der Bewegung 2. Juni ist da nicht anders, wobei sich die Bewegung 2. Juni vor allem als militanter Arm der lokalen Szene im West-Berliner Milieu verstand und weniger als westdeutsche terroristische Gruppierung. Schaut man sich die programmatischen Schriften der RAF an, wird deutlich, dass sie von Anfang an einen deutlich höheren ideologischen Anspruch hatte und versuchte, die Befreiungskämpfe der Dritten Welt zu unterstützen. Man verstand sich sozusagen als fünfte Kolonne des Befreiungskampfes der Dritten Welt in der Tradition von Vietnamkriegsgegnern. Außerdem bediente man sich einer Sprache des radikalen Maoismus nach dem Vorbild der damaligen Volksrepublik China, um zu legitimieren, warum es überhaupt sinnvoll ist, in einem doch sehr friedvollen, Stabilität ausstrahlenden Westeuropa plötzlich zu so radikalen politischen Mitteln zu greifen.

42: Wenn es von Anfang an um Solidarisierung mit Befreiungskämpfen der Dritten Welt geht, warum wählte man dann Deutschland als Anschlagsziel?

SG: Die RAF wollte die Befreiungskämpfe der Dritten Welt dahingehend unterstützen, dass sie die Bundesrepublik als Helfershelfer der USA und imperiale und kapitalistische Hegemonialmacht angriff. Das geht aus den Bekennerschreiben der ersten Generation klar hervor. Die zweite und die dritte Generation änderte ihren Ansatz stark hin zu einer selbstbezogenen Perspektive, die vor allem darauf drang, gefangengenommene Mitglieder wieder frei zu pressen. Der weltpolitische Anspruch wird dabei zwar rhetorisch aufrechterhalten, wenn man sich jedoch die Aktionspotentiale, die Aktionsziele und -arten ansieht, wurde die tatsächliche Umsetzung dieser ideologischen Agenda nach der ersten Verhaftungswelle 1972 stark zurückgeschraubt.

42: Gab es so etwas wie ein langfristiges Ziel?

SG: Das ist eine gute Frage, da der Linksterrorismus vor allem in der Bundesrepublik eher unspezifisch ist. Es bleibt nebulös, wohin dieser Kampf gegen das faschistische Bonner Regime und die imperialistischen USA denn eigentlich führen sollte. Die meisten Anhaltspunkte sieht man vielleicht noch in der frühen politischen Radikalisierung als Teil der Studentenbewegung um 1967–69, in der viele Spielarten sozialistischer und kommunistischer Revolutionen diskutiert werden. Jedoch bleibt die RAF als terroristische Gruppe ab den 70er-Jahren eine Antwort darauf schuldig, was sie eigentlich will. Das bedingt auch, dass die Unterstützung für die RAF nicht nur in der weiteren Gesellschaft, sondern eben auch im eigenen linksradikalen Milieu rapide abnimmt. Das ist wohl einer der größten Schwachpunkte des Linksterrorismus von Anfang an, dass es keine klare Zielrichtung gab, was man am Ende erreichen wollte.

42: Aus welchen sozialen Schichten rekrutieren sich denn die Terroristen?

SG: Es ist sicher richtig und auch emblematisch für den westdeutschen Linksterrorismus, dass vor allem die Köpfe der ersten Generation immer als gut situierte Bürger und vor allem die Frauen als Bürgertöchter wahrgenommen wurden. Letzteres war für die bundesdeutsche Gesellschaft der 70er-Jahre ein Schock. Die einzige Ausnahme ist natürlich Andreas Baader, dem oft ein halbproletarischer Hintergrund zugeschrieben wird. In einer Art Bürgerschrecknarrativ wird das so dargestellt, als ob diese jungen Studentinnen und intellektuellen Frauen – vor allem Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin – von Baader zum Terrorismus verführt werden. Das sagt auch viel über die westdeutschen Geschlechterdiskurse in den 70er-Jahren aus. Die Frage ist zunächst: Wer ist in dieser Zeit überhaupt Student in Westdeutschland? Wir befinden uns nämlich noch vor der sozialdemokratischen Bildungsexpansion, in deren Zuge verstärkt Arbeiterkinder an die Universität kommen. Der Hauptgrund, warum die führende erste Generation vor allem gutbürgerlichen Hintergrund hat, ist sicher darin zu suchen, dass eben die Universitätslandschaft und auch die Studentenbewegung in Westdeutschland doch stark von der bürgerlichen Mittelklasse geprägt ist, was sich proportional auch in den Mitgliedern der RAF widerspiegelt. Das gilt zumindest für die erste Generation.

42: Und die zweite Generation der RAF?

SG: Nach der Frankfurter Kaufhaus-Brandstiftung 1968 bringen sich Baader, Ensslin und Meinhof verstärkt in Kinderheimarbeit ein und kommen so in Kontakt mit Jugendlichen aus ganz anderen gesellschaftlichen Verhältnissen, die dann stark die zweite Generation der RAF formen. So kommen auch die gewissen sozialen Unterschiede zwischen den RAF-Generationen zustande.

42: Kommen wir nun von der Soziologie der Täter zu der Soziologie der Opfer – Wer waren sie?

SG: Wenn man sich die erste große Welle von Anschlägen 1972 ansieht, richtete sie sich zum einen gegen amerikanische Basen. Andererseits gab es einen Anschlag auf das Springerhaus in Hamburg, wo vor allem Angestellte in der Herstellung zu Opfern werden. Das heißt, die RAF trifft mit einem ihrer ersten Anschläge auch die Arbeiterklasse. Das alles führt zu sofortiger Ablehnung der RAF in weiten Gesellschaftskreisen. Da sieht man wieder, wo die Probleme der RAF liegen: in der Auswahl der Ziele und in der Legitimität. Die Ablehnung wird umso stärker, desto mehr Menschen zu Opfern werden, etwa bei den zahlreichen Polizeikontrollen, wo dann auch Polizisten Schusswechseln zum Opfer fallen.

42: Wer sollte denn eigentlich getroffen werden?

SG: Die intendierten Ziele sind am Anfang stark symbolisch. Die RAF wählte 1972 Ziele wie das Springerhaus, um die vermeintlich faschistisch kontrollierte westdeutsche Presse anzugreifen, aber auch Individuen, die man als symbolisch für den westdeutschen Staat betrachtet. Ein bekanntes Beispiel wäre die Schleyer-Entführung oder bereits 1974 die versuchte Entführung des Richters Günter von Drenkmann, der dabei erschossen wird. Das zeigt, dass sich der ideologische Referenzrahmen der RAF doch stark und schnell verkleinert und zwar von diesen symbolischen Zielen, die noch in den Diskussionen der Studentenbewegung und des Linksradikalismus der späten 60er-Jahre verhaftet sind, zu einem strategischen Terrorismus, der gezielt Führer des Staates und des Finanzkapitalismus auf die Agenda setzt. Man sieht deutlich eine ideologische Verknappung, die von der ersten zur zweiten Generation der RAF stattfindet.

42: Was halten Sie von dem Mythos, dass es auf Seiten der Studierenden erhebliche Sympathien gegenüber der Roten Armee Fraktion gab?

SG: Bis zum Ende der 70er-Jahre gibt es ein diffuses Gefühl der Solidarität mit der RAF unter linksradikalen Aktivisten. Die Gegenstände des Aktivismus haben sich geändert, etwa hin zum Anti-Atom-Protest. Dabei machen viele Aktivisten Erfahrungen mit Polizeigewalt, woraufhin sich auch einige Studenten radikalisieren. So kommt es zu einem Wechselspiel von Gewaltauslösung auf beiden Seiten, das oft auch von staatlicher Seite provoziert wird. Man befindet sich in einer Situation, in der man auch selber möglicherweise Opfer polizeilicher Gewalt geworden ist, wodurch ein Solidaritätsgefühl mit anderen entsteht, die auch vom Staat misshandelt werden. Was sicher am Wichtigsten für die RAF ist – und die RAF-Führung ist da sehr geschickt –, ist ein gewisses Solidaritätsgefühl innerhalb des eigenen Milieus am Leben zu halten, zum Beispiel durch die Idee, dass Linksterroristen gezielt in westdeutschen Gefängnissen gefoltert und misshandelt werden. Da sich die RAF als Gefangene in Isolationshaft inszeniert, bleibt eine Grundsolidarität mit der terroristischen Gruppe, obwohl Terrorismus meistens als politisches Mittel abgelehnt wird. Es gibt also ein ambivalentes Spiel, das die RAF geschickt bedient. Auch mit berühmten, internationalen Gästen wie Jean-Paul Sartre, der die führenden RAF-Mitglieder in Stammheim besucht, wird eine Beziehung zwischen dem linksradikalen Milieu und der RAF am Leben erhalten. Das ändert sich im sogenannten deutschen Herbst 1977, als sich das linke Milieu in überwältigender Mehrheit offiziell dazu bekennt, dass man Linksterroristen nicht in dieser ambivalenten Solidarität unterstützen und begleiten darf, sondern Terrorismus offensiv als politische Strategie ablehnen sollte.

42: Wie würden Sie das dominante Gefühl der Mehrheitsgesellschaft in Bezug auf die RAF beschreiben?

SG: In der Bevölkerung dominiert das Gefühl der Angst. Es gibt da sicherlich unterschiedliche Wellen. Hochphasen sieht man vor allem 1972 mit der ersten Anschlagschwelle und 1975 mit der Lorenz-Entführung und dann zuletzt noch einmal 1977. Es herrscht natürlich auch ein gewisses Alltagsgefühl, in einer bedrohten Gesellschaft zu leben. Das heißt konkret, dass man sich in Städten wie Karlsruhe oder Bonn daran gewöhnt, dass es feste Polizeikontrollen gibt. Dieses ungefilterte Gefühl wird durch die politische Konfrontation zwischen der SPD-Regierung und der CDU verstärkt und durch die Medien natürlich noch einmal zusätzlich befeuert, die ein stereotypes Bild der Linksterroristen zeichnen. Es gibt aber auch zunehmend Gefühle der Angst im linken Milieu selbst, weil Solidarität mit Terroristen von befreundeten Genossen eingefordert wird. Der bekannteste Fall, in dem diese erzwungene Unterstützung in einem Mord endet, ist die Enttarnung eines Informanten des Verfassungsschutzes, der gezielt in einen Hinterhalt gelockt und erschossen wird. Es herrscht Angst davor, dass irgendwann mitten in der Nacht geklingelt wird und ein Freund, der sich radikalisiert hat, vor der Tür steht und um Asyl bittet. Es gibt also ein Bedrohungsgefühl, dass man vielleicht selbst in diese Terrorismusgeschichte hineingezogen wird.

42: Gab es eine Art subkulturelles Kokettieren mit diesem Extremismus? Einen „radical chic“ der RAF, der letztendlich einfach auch modisch war?

SG: Das trifft für das breitere Milieu der Phase von 1967 bis 1970 zu, da noch nicht abzusehen war, welche persönlichen und weiterführenden Konsequenzen die Bewaffnung haben würde, die ja letztendlich zu realer Gewalterfahrung und auch Gewaltausübung führte.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Terrorismus spielte die romantische Assoziierung mit den Befreiungskämpfen der Dritten Welt, die tief bis in die Kleidungs- und Musikstile der Zeit hineinwirkte. 1968 war ein Protestjahr, das nicht zuletzt auch über mediale Zusammenhänge funktionierte, die der radikalen Linken das Gefühl gaben, dass es da draußen Gleichgesinnte gibt, die zwar möglicherweise unterschiedliche politische Ziele haben, sich aber gleich anziehen und zudem in eine ähnliche politische Sprache kleiden. Dieser Sehnsuchtsort einer imaginierten Dritten Welt als Gegenentwurf einer mitunter drögen westdeutschen Gesellschaft war entscheidend für den Beginn des Terrorismus. Diese gefühlte Verbindung mit einem Kollektiv führte dazu, dass sich viele nicht nur individuell, sondern auch als Gruppen radikalisierten. Das Bestreben einzelner, sich innerhalb dieser Gruppen als Wortführer zu profilieren, hat sicherlich seinen Teil zum Fortschreiten der Radikalisierung und zum Abdriften in die Abwärtsspirale der politischen Gewalt beigetragen.

42: Was bedeutete das Erstarken des Terrorismus für die junge Bundesrepublik, insbesondere für die damals regierende SPD?

SG: Neben der Ostpolitik war der Linksterrorismus eines der Hauptprobleme der sozialliberalen Regierung. Die konservative Opposition unter der Führung der CDU versuchte von Anfang an, diese Formen der politischen Gewalt als Folge der Reformpolitik der SPD darzustellen und somit die Regierung unter Willy Brandt (1969 –1974) zu delegitimieren. Brandt war während des Zweiten Weltkriegs im Untergrund für die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) aktiv und wurde stark mit seiner kommunistischen Vergangenheit assoziiert. Gleiches gilt für den damaligen Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner. Führende Persönlichkeiten der SPD werden im öffentlichen Diskurs mit dem Linksterrorismus verknüpft. Hinzu kommen Vorwürfe, dass das Reformprogramm der SPD und die Lockerung sozialer Normen zumindest indirekt den Radikalismus unterstützt haben. Die Vorwürfe trieben die SPD zu drastischen Gegenmaßnahmen, insbesondere zum sogenannten Radikalenerlass von 1972. Demzufolge durften Individuen, die „kommunistischer Umtriebe“ verdächtigt wurden, nicht mehr zum Lehrerberuf oder zu Tätigkeiten im öffentlichen Dienst zugelassen werden, was damals auch noch die Post und die Bundesbahn betraf. Der Kreis der Betroffenen war entsprechend groß. Mit dieser illiberalen Gesetzgebung gab die SPD-Regierung dem innenpolitischen Druck nach. Die Debatte um innere Sicherheit betraf also von Anfang an nicht nur im engeren Sinne die RAF, sondern auch das vermeintlich unterstützende Milieu, zu dem aus konservativer Sicht auch die SPD-Spitze selbst, sowie führende Linksintellektuelle gehörten.

42: Was beendete die Ära des Linksterrorismus? Handelt es sich letztendlich um einen Fahndungserfolg der Behörden oder gab es andere Gründe?

DG: Das Ende des Linksterrorismus als Fahndungserfolg zu bezeichnen würde zu kurz greifen. Sicherlich entwickelte sich das Bundeskriminalamt zur führenden Bundespolizei in Westeuropa, nicht zuletzt, weil hier bereits früh auf Digitalisierung gesetzt wurde. Die rapiden staatlichen Gegenmaßnamen, die auf Computertechnologie basieren – die Frühformen digitaler grenzübergreifender Verfolgungsinstrumentarien – führten dazu, dass viele Terroristen bereits kurz nach Anschlägen verhaftet wurden. Relativ früh nach der sogenannten Mai-Offensive 1972 der RAF waren die führenden Zirkel bereits verhaftet. Der Staat stellte hier und auch während späterer Offensiven seine Handlungsfähigkeit unter Beweis, wobei der Deutsche Herbst 1977 den Umständen entsprechend glücklich verlief, da die Befreiung der Lufthansamaschine Landshut in Mogadischu ohne zivile Opfer von statten ging. Eine gescheiterte Befreiung wäre symbolpolitisch ein Desaster gewesen und hätte wohl eine Staatskrise nach sich gezogen.

42: Wenn diese erfolgreichen staatlichen Gegenmaßnahmen nicht zum Ende des Terrorismus geführt haben, was war es dann?

SG: Auf lange Sicht war es eher die Abwendung vom Terrorismus innerhalb des linksradikalen Milieus, die dazu geführt hat, dass die RAF in den 80er-Jahren stark isoliert wurde. Wir wissen heute, dass die RAF zunehmend von terroristischen Netzwerken im Nahen Osten und auch von der Hilfe der Stasi und der DDR abhängig wurde, da die eigenen, heimischen Netzwerke nicht mehr funktionierten. Die Erfahrung mit dem Terrorismus und der dazugehörigen staatlichen Gegenreaktion führte zu dem Eindruck, dass die Teilhabe an internationalen Kämpfen das Potential der Linken in Westdeutschland doch weit überstieg. Dementsprechend erlebt linkradikaler Aktivismus im Übergang von den 1970ern zu den 80er-Jahren einen Wandel: er regionalisiert sich, etwa zu lokalen Anti-Atomkraftprotesten an geplanten Kraftwerksstandorten. Andere Aktivisten werden Hausbesetzer oder ziehen sich auf Landkommunen zurück. Die alte Idee, dass man sich erst selbst im kleinen Kreis revolutionieren muss, bevor man die Gesellschaft verändern kann, gewinnt wieder an Zuspruch. Für viele weibliche Aktivistinnen werden der Feminismus und die Frauenbewegung zum primären politischen Bezugspunkt. Diese Diversifikation des Protests ab Mitte der 70er-Jahre in verschiedene Formen des lokalen Linksradikalismus führt zum Verlust der ideologischen Anschlusskraft an weltpolitische Probleme, die 1968 noch im Fokus stehen. Ich glaube, dass diese Entwicklung sehr viel mehr zur Deradikalisierung beigetragen hat, als die erfolgreiche Fahndung nach Terroristen.

42: Auch in jüngster Zeit wird die Fahndung nach Terroristen vor allem als Misserfolg wahrgenommen. Gibt es strukturelle Parallelen zwischen dem damaligen Linksterrorismus und dem heutigen islamistischen Terror?

SG: Die größte strukturelle Ähnlichkeit sehe ich in der Art und Weise, wie Terrorismus gesellschaftlich verhandelt wird. Dieses diffuse Gefühl, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe als Bedrohung wahrgenommen wird. Heute sind das vor allem muslimische Einwandererinnen und Einwanderer. Die Debatten der letzten Monate um Fahndungsmisserfolge durch behördliches Fehlverhalten haben große Parallelen zu Diskursen in den 70er-Jahren. Denken wir etwa an die vielzitierte Episode, dass die Wohnung, in die Hanns-Martin Schleyer verschleppt wurde, erkannt wird, aber aufgrund eines Verfahrensfehlers bei der Weitergabe der Informationen keine polizeiliche Überprüfung stattfindet. Diese Arten von gesellschaftlicher Wahrnehmung und Verarbeitung terroristischer Bedrohung sind ähnlich wie heute, nur, dass sich eben das Bedrohungssubjekt gewandelt hat. Dabei wird der Terrorismus weniger stark als innergesellschaftliche Gefahr wahrgenommen, sondern eher als etwas, das von außen ins Land dringt, etwa im Zuge der Flüchtlingskrise.

42: Welche Lehren könnte man heute aus den Parallelen zwischen Linksterrorismus und islamistischen Terror ziehen?

SG: Parallelen könnte man zum Beispiel identifizieren, indem man sich ansieht, wann die öffentliche Debatte zu übermäßiger Radikalisierung der Gesellschaft geführt hat und staatliche Reaktionen zu weit gegangen sind. Das betrifft die Frage, welche Rechte Nachrichtendienste haben sollten und wo es bei der Strafverfolgung zu einem Austesten des Grundgesetztes und rechtsstaatlicher Grenzen kommt. Diese wurden in den 70er-Jahren durchaus übertreten, was wiederum die Radikalisierung weiterer Kreise möglicher terroristischer Gewalttäter bedingen kann. Der Unterschied bleibt, dass damals die Bedrohung als aus der Gesellschaft kommend angesehen wurde, während sie heute oft als etwas Externes betrachtet wird. Grundsätzlich können wir jedoch aus der Geschichte des Linksterrorismus lernen, dass im Hinblick auf die Täter auch individuelle und sozioökonomische Beweggründe in den Blick genommen werden müssen.

42: Wie schätzen Sie das Bestehen des heutigen Linksterrorismus in Deutschland ein?

SG: Es gibt zwar immer wieder aufflammende Wellen von anonymem Linksradikalismus vor allem in Berlin und in Hamburg, wo nachts Autos angezündet werden. Nachdem sich die RAF Ende der 1990er offiziell aufgelöst hat, gibt es aber kein terroristisches Netzwerk mehr. Die radikale Linke in Deutschland beschäftigt sich, wenn überhaupt, nur noch mit ideologischen Relikten der RAF-Zeit. Es gibt aber durchaus noch reale Nachwirkungen der RAF selbst, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Letztes Jahr kam es zu einem Überfall auf einen Geldtransporter, der mit ziemlicher Sicherheit auf Mitglieder der dritten RAF-Generation zurückgeht. Da es in der Bundesrepublik niemals eine Generalamnestie für Linksterroristen gegeben hat, leben noch heute ehemalige Mitglieder solcher Gruppen innerhalb der deutschen Gesellschaft und halten sich versteckt.

42: Ein bekanntes ehemaliges Mitglied der linksterroristischen Vereinigung Antiimperialistische Zellen (AZ) propagiert heute den radikalen Islam. Der gemeinsame Nenner scheint noch immer der Antiimperialismus zu sein. Gibt es eine Erklärung für solche Übertrittsphänomene?

SG: Die Verbindung von radikalen Linken und islamistischem Radikalismus geht ideologisch betrachtet durchaus auf die 70er-Jahre zurück. Für westdeutsche Linke ist diese Vergangenheit unangenehm. Nach dem Anschlag auf die Olympischen Spiele im Jahr 1972 hat die RAF diesen in einer öffentlichen Äußerung gutgeheißen. Das geschieht in einem Kontext, in dem sich die westeuropäische radikale Linke von Israel abwendet, nachdem sie den Staat in den Jahrzehnten nach 1945 aufgrund der Verbrechen des Holocausts durchaus unterstützt hatte. Je mehr Israel als imperiale Macht im mittleren Osten wahrgenommen werden konnte, vor allem nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 und der Besetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens, kommt es zu einer Umorientierung im radikal-linken Milieu. Diese führt dazu, dass in einer anti-imperialistischen Rhetorik und Logik der Zeit der Staat Israel die Seiten wechselt und als Teil westlicher imperialistischer Kräfte betrachtet wird. Es ist durchaus möglich, dass sich heutzutage noch Altlinke in dieser Denktradition sehen und sich für islamistischen Terrorismus begeistern können. Vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung Deutschlands nach dem Holocaust ist dieser starke Antizionismus antiimperialistischer Lesart von Links das wahrscheinlich problematischste politische Resultat der 70er-Jahre, mit dem sich die Linke noch länger befassen muss. Das sind Debatten, die sich bis heute bis in die Parteipolitik hineinziehen. Das Verhältnis zu Israel ist nach wie vor ambivalent.

42: Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf Europa. Könnten Sie die Entwicklungen des europaweiten Terrorismus in den 70ern skizzieren?

SG: Wenn man sich die Opferzahlen ansieht, stellen eigentlich die 70er- und 80er-Jahre die Hochzeit des Terrorismus in Europa dar, ganz im Gegensatz zum heutigen Bedrohungsgefühl in den europäischen Gesellschaften. Aufgrund des Lockerbie-Attentats ist 1988 das Jahr mit den meisten Opfern terroristischer Anschläge im europäischen Kontext. Anzahl und Frequenz terroristischer Anschläge – der ETA im Baskenland, der IRA in Nordirland, der RAF in Westdeutschland, der roten Brigaden in Italien und ab den 1980ern auch der Action Directe in Frankreich – waren damals viel höher als heutzutage. Das zeigt, wie stark Terrorismus in der Lage ist, Bedrohungsgefühle auszulösen, die über die eigentlichen Anschläge hinausgehen. Statistisch betrachtet gab es 2004 zwar den Anschlag in Spanien und im letzten Jahr die Anschläge in Frankreich, die sehr viele Opfer gefordert haben. Die Anschläge in Großbritannien im letzten und in diesem Jahr haben dieses Bild natürlich verändert. Parallel dazu haben sich die gesellschaftlichen Potentiale, aus denen diese Bedrohungen kommen, stark verändert. In den 1970ern und -80ern reden wir über ethnisch und politisch motivierte Terroristen, sei es in Nordirland, im Baskenland, in Italien, der Bundesrepublik oder Frankreich. Das löst sich ab mit zunächst wenigen und auch zum Teil unbeachteten islamistischen Anschlägen in Europa, schon in den 70er- und 80er-Jahren. Erst seit dem 11. September werden diese aber als große Bedrohung der öffentlichen Sicherheit wahrgenommen.

42: Folglich ist es religiöser und nicht weltlicher Terrorismus, der heute als vorherrschende Bedrohung wahrgenommen wird.

SG: Das könnte man so sagen, ja.

42: Sie sagten bereits, dass dieser religiöse Terrorismus in der öffentlichen Wahrnehmung eine Bedrohung von außen ist. Ist die Furcht vor innereuropäischem Terrorismus damit Geschichte?

SG: Im Zuge der Brexitdebatte wurde zum Beispiel sichtbar, dass Ängste vor einem erneuten Aufflammen der politischen Gewalt in Nordirland noch nicht so weit entfernt sind, wie wir in den letzten Jahren gedacht haben. Vor dem Brexit im Juli letzten Jahres hätten wir aber nicht darüber geredet. Vor allem nicht im europäischen Kontext. Möglicherweise als innerbritische Debatte. Aber dass sich die französische und auch die deutsche Presse mit dieser Frage beschäftigt, wäre so in diesem Ausmaß wahrscheinlich nicht passiert. Man sieht, dass diese Bedrohungspotentiale sehr schnell wieder öffentlich wachgerüttelt werden können, sollte sich die politische Lage verändern. Das genaue Gegenbeispiel haben wir im Fall der ETA, die vor wenigen Wochen ihre letzten Waffendepots bekanntgegeben und den polizeilichen Autoritäten übergeben hat. Man sieht aber in beiden Fällen, wie langlebig das Phänomen politscher Gewalt in der öffentlichen Debatte ist und wie schnell es wieder in öffentlichen Diskursen mobilisiert werden kann.

Herr Dr. Gehrig, vielen Dank für dieses Interview.

Interview: Jonas Hermann, Lena Kronenbürger

Exploring Distant Galaxies by Ear

The starry sky, images of the glowing blue Earth or the latest colour images taken by the Mars rover Perseverance – space first triggers visual images in many people. This is probably because astronomy is primarily a visual science, despite the fact that most data collected in modern observational astrophysics isn’t visible to our eyes.

Dr Garry Foran is an astrophysicist who does research on the early universe at Swinburne University in Melbourne. He is visually impaired and uses a technique called sonification to listen up to twelve billion years into the past, deciphering the formation and the development of distant galaxies. In his interview with fortytwomagazine, he explains his research and speaks about the advantages of sound in data analysis and astrophysics.

fortytwomagazine: Dr Foran, what exactly is sonification and how does it work?

Dr Garry Foran: Sonification is the process whereby data (or a visual object on a screen) is converted to sound in a way that preserves, transmits and even enhances the information content. Depending on the application, this can take many forms and have many levels of complexity. Sonification is now finding applications ranging from education and outreach all the way through to professional level research.

Importantly, the use of sonification is not limited to improving accessibility for blind and visually-impaired people. It is well known that the use of a multi-modal sensory approach can enhance any interaction with data compared to using only visual means.

What kind of information is “sonifiable”? 

Although astronomy is often thought of as a very ‘visual’ science, the truth is that modern observational astrophysics exclusively use digital data collected from objects invisible to the naked eye and/or at wavelengths outside our visual range. Accordingly, any images we see on a screen or published in the media are produced from streams of 1s and 0s. This means, almost any data can be rendered as sound if appropriately transformed.

An example of sonification: a Lyman-alpha in emission (you can hear a peak corresponding to an increase in intensity of light) above you can see a visualization of the same data.

Image and audio: curtesy of Dr Garry Foran, Swineburne University

Does sound hold more or different information about the universe than visualizations?

Sound does have advantages over sight in some situations, and if wisely employed, can truly add a new important dimension even for mainstream applications.

One of the common features of modern astronomy and astrophysics is that, especially when you’re working with galaxies and objects, very, very, very far away, the data is often very noisy. It’s not a straight line. The Lyman-alpha or any other spectral feature that you’re looking for is often buried in noise. It can sometimes be hard to identify, especially by eye. But sound has an advantage over visualization in that respect. We call it the cocktail party effect:

If I was in a room of people and everyone in the room was speaking German, and I’m a native English speaker. Then if somebody else was speaking English on the other side of the room, my ear could pick up that sound of English, pick it out of the noise that would normally not be audible. Because my audio perception is tuned into the sounds of English, I can hear it even at a very low level, in a noisy environment.

Furthermore, we have a faster reaction time to sound. You see that in warning systems. They are usually given as an audio warning first, as well as a visual warning, because we react faster to an audio signal than we do a visual signal. So you could imagine applications where time is important, especially when you’re dealing with the real time analysis of lots of data. The ability to hear a sound in a noisy environment and respond to it quickly could often be important.

Another advantage is what we call temporal resolution. To put it differently, when there is a lapse of time between two sounds, we can hear two events more closely separated in time than our eyes can see them. If there are multiple events happening in a sound space, our ears can split them up down to the tens of microseconds timescale. Whereas our eyes are relatively slow. If you think of a TV screen or an old-fashioned movie screen, it’s like 25 frames a second, and our eyes can’t see the difference. It just looks like a smooth image, but our ears could hear that lapse very, very easily.

So we would be foolish not to include sound in our discovery of space?

I think in the past, we have been guilty of just relying on our eyes and visualization techniques to try and extract information from images.

It’s easy to forget when you look at a computer screen, you’re just looking at a flattened, two-dimensional image of a three-dimensional object. You’ve squashed information into a single plan that is really an object with height and width and depth. It is not surprising therefore that information can be lost or overlooked by limiting oneself to a 2D image only. You can hear a sound and you know whether it’s come from in front of you, behind you, above you or below you, whereas your eyes are pretty much just looking straight ahead. Especially the high resolution part of your sight. But sound, you can tell all around you.

If you have extra information on an object, which you usually do, especially if the object has been observed with many different telescopes and at different energies and if that information can be encoded in sound and interpreted at the same time as the visual information, you certainly make your experience much more realistic. That’s the way we’re designed to function. In fact, we have multiple senses for that very reason.

How do you explore galaxies that are so distant from us in space and time?

While modern telescopes and instrumentation can reveal the structure and properties of galaxies in exquisite detail, there are still limits to the depth and scale over which these can be employed.

The main aim of my research is to develop methods by which such capabilities can be extended using the so-called Lyman-alpha line — the brightest feature in the spectrum of early star-forming galaxies. In my work, I measure the strength of the Lyman-alpha feature and its relationship to other galaxy properties and apply statistical methods to predict the properties and structure of galaxies where Lyman-alpha is all we have.

I take groups, collections, populations of galaxies that are a little closer, where other astrophysicists have measured mass, size and shape and other properties including the Lyman-alpha. Then I look for the relationship between those properties and Lyman-alpha.

My fellow astrophysicists use a very wide range of energy. They might work with multiple telescopes and data sets. They look at the light coming from a galaxy, at everything from ultraviolet through the visible into the infrared, the radio, even x-ray and gamma ray. When you have all that energy information, you can then plug that into the laws of physics and you can model the star population, the age of the stars, the star formation rate, the evolution of the galaxies.

When you go to parts of the universe where you can’t measure anything except Lyman-alpha, because it’s so strong, you can say: “Oh, well, because of the Lyman-alpha-line looks like this, then the other properties are probably, these other things.” My project is about building those relationships.

What exactly is the Lyman-alpha line?

The reason why Lyman-alpha is important is that it comes from hydrogen. 99% of the universe is hydrogen. Now there are different forms of it: There’s molecular hydrogen, atomic hydrogen, and there’s ionized hydrogen. So if there is something we can measure that tells us about that hydrogen, then we’ve got a good chance of finding out what’s going on in that particular spot.

Stars, especially when they’re new, they create a lot of ultraviolet, very high energy light. The ultraviolet is only very strong in young, very big stars. Now that ultraviolet light is energetic enough to ionize hydrogen. That means the hydrogen atoms are bumped up to a higher energy level and when they relax from that level, which they do straight away, you get a Lyman-alpha-photon. So Lyman-alpha is just the name of that light which has a fixed energy level. It’s always the same energy. That’s why we know where to look for it and how to identify it. Not only does it come from hydrogen, which is everywhere in the universe, in stars and galaxies, and even in the space between galaxies, the intergalactic medium, but it’s also very strong. It’s the strongest line, the strongest peak in the spectrum. It helps us to see right back to the very earliest times of the universe when galaxies were first forming.

The sonification of a Lyman-alpha absorption (you can hear the spectrum dip down at the Lyman-alpha position).

Audio: curtesy of Dr Garry Foran, Swineburne University

What techniques do you use to analyse Lyman-alpha and to explore galaxies?

The light from early galaxies can be split into different wavelengths in the same way that the light from the sun can be split into a rainbow. When we do this, we call that trace of intensity versus wavelength a spectrum, and the study of these is called spectroscopy. The spectrum contains peaks and troughs that tell us about the physics of the galaxy including such properties as their mass, age, rate of star formation and even the way the stars and gas in the galaxies are moving.

For the most distant galaxies i.e. those from the earliest epochs, the light is very faint and even with the largest telescopes, most of the peaks and troughs of interest in the spectrum are lost in the background noise. The Lyman-alpha line is usually the brightest peak in the spectrum and often the only information available.

The spectrum is just a line, the line that goes up and down. I use the simplest form of sonification to analyse it. I just read that data in, I look at two columns of numbers. One column is the energy column. And the other column is the intensity of the light.

Interview by Ella Steiner

About

Dr Garry Foran is an Australian astrophysicist studying galaxies in the early universe, known as “high redshift” galaxies, at the Swinburne University of Technology in Melbourne. He uses spectroscopy to learn more about the properties of those galaxies.

Dr Foran who lost his sight to a degenerative retinal condition is also active in a collaboration that is developing sonification tools, so far two software packages: “vox megellam” and “starsound” that facilitate the management and analysis of astrophysical data using sound.

In fortytwo’s nutshell – March Edition

@Nasa, Sirenum Fossae Crater, Mars

DE

Diesen Monat gibt es in unserer Presseschau wieder Neuigkeiten vom Mars und dem Rover Perseverance. Außerdem wächst die Liste an inspirierenden Weltraumreisenden stetig – diesen Monat machte eine Amateur-Astronautin mit ihrer Geschichte Schlagzeilen. Aber nicht nur wir sind neugierig, auf was dort draußen auf die Menschheit wartet, manchmal bekommen wir auch hier auf der Erde Besuch aus dem All. So zum Beispiel am letzten Sonntag, als der “Gott des Chaos” bemerkenswert nah an unserem Planeten vorbeigezogen ist.

“Gott des Chaos” auf Stippvisite

Vor einer Woche fand eine wichtige Generalprobe für viele Astronom:innen statt. Die Frankfurter Rundschau berichtete, wie der Asteroid „Apophis” der Erde so nah wie noch nie zuvor gekommen ist. Passenderweise ist der Asteroid nach dem Gott des Chaos in der ägyptischen Mythologie benannt. Als er 2004 entdeckt wurde, machte er seinem Namen alle Ehre. Berechnungen ergaben, dass der Asteroid die Erde am 13. April 2029 treffen könnte – mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 Prozent. Mittlerweile wurde die Berechnung korrigiert und es besteht kein Einschlagsrisiko mehr. Die nächste Stippvisite in acht Jahren bringt viel mehr die Gelegenheit mit sich, den Asteroiden von „nahem” zu begutachten und so viel über „Apophis” zu lernen wie möglich. Denn der Gott des Chaos könnte der Erde auf einer seiner weiteren Reise potenziell doch noch gefährlich werden.

Neues vom Mars

Wir geben es ja zu, es besteht eine gewisse Obsession mit dem Marsrover “Perseverance” und dem roten Planeten im Allgemeinen. Auch wir widmen Mars den ganzen März auf unserem Instagram Kanal. Diesen Monat hat unser liebster Rover erstmals eine Audio-Aufnahme von einer seiner Fahrten geschickt. Die 16-minütige Tonaufnahme lässt sich auf dem Twitterkanal der NASA anhören – ein Genuss für die Ohren ist sie allerdings nicht. Perseverance Räder bestehen aus Metall und erzeugen eine recht gewöhnungsbedürftige Geräuschkulisse, wenn sie über Steine rollen.

Der kleine Hubschrauber “Ingenuity”, den der Marsrover in sich trägt, wartet derweil geduldig auf seinen ersten Einsatz. Voraussichtlich im April soll er Luftbilder von innerhalb der Marsatmosphäre liefern. Andere Missionen wie zum Beispiel MAVEN (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) der NASA sowie die Mars Express Sonde der Europäischen Weltraumorganisation haben den Planeten bislang nur außerhalb der Atmosphäre umflogen und dennoch bereits Indizien gefunden, dass Wasser in der Marsoberfläche verschlossen sein könne. In der Zukunft könnte mit Hilfe von Proben ermittelt werden, wie viel Wasser es auf dem Mars einmal gegeben hat. Zunächst ist aber erstmal Ingenuity dran, uns mit neuen Überraschungen zu versorgen.

Die neue Generation Astronaut:innen

Hayley Arceneaux ist zurzeit der wohl hellste Stern am Firmament angehender Astronautinnen. Die Assistenzärztin wurde nun ausgewählt, Teil der ersten nur aus Laien bestehenden Weltraummission zu sein. Darüber hinaus wird Arceneaux noch weitere Meilensteine setzen, denn sie wird die jüngste Amerikanerin sein, die bisher das Weltall bereist hat sowie die erste Astronautin mit einer Teilprothese. Die BBC berichtet, dass die Mission eine Herzensangelegenheit des Milliardärs Jared Isaacman ist, welcher versucht, auf diesem Weg 200 Millionen US Dollar für das St. Jude Krankenhaus in Memphis, Tennessee zu sammeln. Einer der vier Plätze war für ein:e Mitarbeiter:in des St. Jude reserviert und die Wahl fiel auf Hayley Arceneaux. Die 29-jährige verbindet eine bewegende Geschichte mit dem Krankenhaus: Als Kind war sie selbst Patientin dort und wurde wegen Knochenkrebses behandelt. NASA Richtlinien hatten es ihr bislang schwer gemacht mit Metalprothesen in ihrem Bein Astronautin zu werden – nun zeigt privat finanzierte Weltraumforschung, wie das Weltall für mehr Menschen erschlossen werden könne.

EN

This month’s press review features news from Mars and the Perseverance rover, while the list of inspiring space travelers continues to grow – this month, an amateur astronaut made headlines with her story. But it’s not just us who are curious about what’s out there waiting for humanity; sometimes, Earth is chosen as a travel destination by cosmic visitors. Last Sunday, for example, the “God of Chaos” passed remarkably close to our planet.

“God of Chaos” on a flying visit

A week ago, an important trial run took place for many astronomers. The Frankfurter Rundschau reported how the asteroid “Apophis” passed Earth closer than ever before. Fittingly, the asteroid is named after the “God of Chaos” in Egyptian mythology, as it lived up to its name when Apophis was discovered back in 2004. According to calculations, there was a chance of the asteroid actually impacting Earth on April 13, 2029 – with a probability of 2.7 percent. Since the calculations have been corrected and there is no longer any risk of impact. The next visit in eight years will be an even better opportunity to learn as much as possible about “Apophis” from up close. Keeping an eye on the “God of Chaos” might be a good idea in case the asteroid will ever return on one of its future journeys past our planet.

What’s happening on Mars?

Alright, we are kinda obsessed with the Mars rover “Perseverance” and the red planet in general, which is why we are dedicating the whole month of March to Mars on our Instagram channel. Come find us if you need another fix of Mars-related content.

For the first time since its arrival on Mars, our favorite rover sent audio from one of its trips this month. The 16-minute recording can be listened to on NASA’s Twitter channel – however, it can’t really be called a treat for our ears. Perseverance’s wheels are made of metal and produce quite an unpleasant sound when rolling over rocks.

Meanwhile, the small “Ingenuity” helicopter that the Mars rover carries is patiently waiting for its first assignment. Other missions, such as NASA’s MAVEN (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) and the European Space Agency’s Mars Express probe, have only circumnavigated the planet outside its atmosphere. Ingenuity is expected to deliver aerial images from inside the Martian atmosphere in April. Previous images have already shown the possibility of water being locked in the Martian surface; the new, more up-close perspective could offer more information. In the future, samples could show how much water there once was on the planet. But first, it’s Ingenuity’s turn to wow us with new impressions from Mars.

The new generation of (female) astronauts

At this moment in time, Hayley Arceneaux is the brightest star among future astronauts. The American physician’s assistant was selected to join the first all-civilian mission to venture into space. Fittingly, her presence aboard the Space-X spacecraft will cement her legacy being the youngest American ever to orbit Earth, as well as being the first bone cancer survivor to become an astronaut. The BBC reports how the mission is “the pet project” of Jared Isaacman, a 38-year-old billionaire who bought the rocket launch, scheduled to happen in 2021. He hopes to raise $200 million for St. Jude, a renowned Children’s Research Hospital in Memphis, Tennessee. (Hayley Arceneaux is the perfect person to represent the hospital as it is where she sought treatment at age ten and her current place of work.) Arceneaux’s story will be inspirational to many as the metal prosthetics in her left leg as part of her treatment for bone cancer would have previously barred her from ever becoming an astronaut. As the New York Times puts it, “the advent of privately financed space travel has opened the final frontier to some people who were previously excluded.”

Text and Translation: Laura Emily Schulze

0 1 #2 Detail © Max Dauven

„Selbst der beste Akademiker, der kritischste Journalist ist manipulierbar.“

0 1 #2 Detail © Max Dauven

Wie unterscheiden wir Relevantes von Irrelevantem? Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar spricht im 42-Interview über den Überfluss an Informationen und warum es wichtig ist, diesen zu filtern. Neben seiner Forderung, Algorithmen offenzulegen, weist er auf die positiven Seiten der Digitalisierung hin und ermutigt, die Früchte der Digitalisierung nicht nur für ökonomische Zwecke zu nutzen.

Herr Yogeshwar – als Physiker und Wissenschaftsjournalist befinden Sie sich oftmals an der Quelle von Forschung und Innovation. Wann wurde Ihnen zum ersten Mal bewusst, mit welcher Kraft die Digitalisierung unser Leben verändern wird?

Ich habe sehr früh angefangen zu programmieren. Ende der siebziger Jahre baute ich meinen ersten Computer. Ich glaube, ich war einer der ersten in Deutschland, der E-Mails schreiben konnte. Das große Problem damals war, dass kaum jemand einen E-Mail-Account hatte. Damals wurde mir klar, dass das Internet die Grammatik der Kommunikation verändert wird.

Erleben wir momentan also eine Revolution?

Wir erleben den Anfang einer Revolution, deren Konsequenzen zum Teil noch nicht absehbar sind. Als der Buchdruck erfunden wurde, war man plötzlich in der Lage, Kommunikation zu vervielfältigten. Im Grunde genommen machte das erst die Reformation von Martin Luther möglich. Ohne Druckerpresse hätte es sie in dieser Form nicht gegeben. Als das Internet kam, war es daher überhaupt nicht überraschend, dass diese neue Kommunikationstechnologie ein riesiges Potential hat, das Miteinander in einer Gesellschaft zu verändern.

An welche Veränderung denken Sie konkret?

Ein einfaches Beispiel: Wir führen gemeinsam ein Interview, dieses Interview wird am Ende schriftlich erscheinen. Ob das in 15 Jahren noch so sein wird, ist unsicher, weil es schon heute Technologie in Form von intelligenten Assistenten gibt, die Sprache direkt als Input nehmen, nicht mehr den geschriebenen Text. Am Buchmarkt erleben wir, dass Hörbücher gelesenen Büchern Konkurrenz machen. Wenn Menschen heute ein Bedienungsproblem haben und sie eine Anleitung brauchen, schauen sie sich YouTube-Videos an. Es ist also durchaus denkbar, so unglaublich es klingt, dass wir uns hin zu einer Post-Textgesellschaft bewegen, wir vielleicht in 20 bis 30 Jahren eine Kultur etablieren, in der das geschriebene Wort in der Form, wie wir es heute kennen, ersetzt wird – durch Sprache, durch Videos, vielleicht durch etwas Anderes.

„Kommunikation ist mehr als ein Geschäftsmodell“

Geht der Gedanke an eine Post-Textgesellschaft, an eine Kultur ohne Text und Schrift, nicht etwas weit?

Er geht sehr weit. Darüber nachzudenken hat aber wichtiges Potential: Weil wir zum Beispiel merken, dass in einer zunehmend komplexen Welt die Schnittstelle des sogenannten Mensch-Maschinen-Interface immer einfacher gestaltet wird. Beim ersten Telefon brauchte man für die Bedienung eine Betriebsanleitung. Heute sind Bedienoberflächen intuitiv konzipiert und in der Lage, uns in gewisser Weise eine virtuelle Grammatik zu offenbaren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich dieser Trend in Zukunft verstärken wird.

Was bedeutet das für das Individuum?

Das hat natürlich intellektuelle Konsequenzen. Die Entwicklung der Sprache, die geschriebene und gelesene Sprache, war das Instrument der Aufklärung. Wer schreibt, arbeitet auch an einem gewissen Destillationsprozess der Gedanken, die sich beim Schreiben sortieren. Das Schreiben ist ein Vehikel – nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Reflexion. Was passiert, wenn in ein paar Jahren eine große Mehrheit der Menschen nicht mehr liest, sondern Videos guckt oder mit Apparaten redet, ist nicht abzusehen.

Welche Auswirkungen könnte diese Entwicklung denn auf die Gesellschaft haben?

Einerseits ist die Artikulation des Einzelnen in Form von Sprache, in Form von geschriebenen Worten, etwas phänomenal Einfaches. Auf der anderen Seite ist es phänomenal kompliziert. Lesen bedeutet, einen Code – Buchstaben –zu dechiffrieren, und das bedeutet eine Menge Arbeit. Es ist viel einfacher, wenn ein Apparat diese Aufgabe übernimmt oder dir jemand ein Video zeigt. Aber Sprache ist Bestandteil einer denkenden Gesellschaft. Möglicherweise werden wir an einigen Stellen eine Renaissance der Schriftsprache sehen. Meine Sorge ist, dass wir irgendwann eine Aufspaltung erleben in eine Gesellschaft, in der ein kleiner Teil schreibt, vielleicht programmiert, vielleicht gestaltet – und ein großer Teil konsumiert, nicht mehr schreibt, sondern nur noch zuhört.

… und nicht mehr denkt?

Und vielleicht anders denkt. Vor 100 Jahren war mehr Information gleichbedeutend mit mehr Demokratie. Das große Thema der Zensur bestand darin, dass man Informationsströme kappte und damit dem Volk Informationen vorenthielt. Das war natürlich nicht gut. Heute aber finden wir fast die Umkehrung dessen, einen Überfluss an Informationen. Das ist ein großer Nachteil, denn dieses „Mehr“ an Information wird zu einem Informationsmeer, zu einem Ozean: Es fällt uns zunehmend schwer, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden.

„Soziale Medien profitieren davon, falsche Dinge zu zeigen“

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke in dieser Informationsflut?

Es ist das Geschäftsmodell sozialer Netzwerke, so zu operieren, dass Nutzer möglichst lange in ihrem Ökosystem verweilen und sie so möglichst viel Werbung zeigen können. Was man heute aufgrund vieler Untersuchungen weiß, ist, dass die Zugkraft von lauten Meldungen, vielleicht sogar falschen Meldungen, sehr hoch ist. Das bedeutet, dass soziale Medien davon profitieren, falsche Dinge zu zeigen. Ein konkretes Beispiel bietet eine Untersuchung des MIT, des Massachusetts Institute of Technology: Eine falsche Twitter-Meldung erreicht sechs Mal schneller 1500 Leute als eine wahre Geschichte. Das führt dazu, dass wir in der Medienlandschaft eine sonderbare Aufgeregtheit erleben, die nicht unbedingt immer mit Wahrheit einhergeht. Früher war die Informationsbeschaffung das große Problem – künftig wird es die Informationsfilterung, das Destillieren auf Relevanz oder Signifikanz sein.

Wer wird dafür zuständig sein, diese Informationsfilter zu entwickeln?

Das ist eine spannende und aktuelle Debatte. Wer im April 2018 die Kongressanhörung von Marc Zuckerberg verfolgt hat, konnte sehen, dass zwar genau diese Frage im Raum stand, sie jedoch nicht explizit beantwortet wurde. Implizit sagte Zuckerberg aber, dass er in Zukunft mithilfe von künstlicher Intelligenz in der Lage sein wird, Fake-News automatisiert aufzuspüren und zu löschen, terroristische Gruppen zu identifizieren, möglicherweise den gesamten Prozess der Informationsfilterung vorzunehmen. Diese Aussage wurde aber nicht hinterfragt. Kann es sein, dass heute ein soziales Netzwerk, das weltweit über zwei Milliarden Menschen verbindet, selber zum Zensor wird? Was hätte das für Konsequenzen für verschiedene Kulturen? Was man in den USA sagen kann, darf man nicht immer in Deutschland sagen. In Ländern wie Ägypten oder China sieht das nochmal anders aus.

„Früher war die Informationsbeschaffung das große Problem, künftig wird es die Informationsfilterung sein“

Wie könnte so eine Regelung aussehen, beispielsweise in Deutschland?

In Deutschland könnte man eine staatliche Stelle einrichten. Das wäre aber gefährlich, denn dann würden wir einen Apparat der Zensur bauen. Brauchen wir vielleicht eine unabhängige Stelle? Die „Öffentlich-Rechtlichen“? Nach welchen Kriterien sollte gefiltert werden? Wer definiert, was Fake-News sind und was nicht? Wie können Mechanismen sicherstellen, dass wir auch in Zukunft wahre Informationen zulassen? Und zwar auch dann, wenn sie einen Standpunkt vertreten, der nicht dem Mainstream entspricht. Wir brauchen diese Debatte.

Denken Sie, dass die Politik die Relevanz dieser von Ihnen geforderten Debatte bereits erkannt hat?

Nein, die Politik hat diese Relevanz überhaupt nicht erkannt. Das konnte man detailliert bei der Anhörung Zuckerbergs sehen. Der tatsächliche Mangel an Informiertheit in der Politik war bemerkenswert. Dort saßen offensichtlich Menschen, von denen die wenigstens selbst einen Facebook-Account besitzen und die deshalb sonderbare Vorstellungen von sozialen Medien hatten. Tragisch ist, dass sie es dadurch nicht geschafft haben, die wirklich entscheidenden Fragen zu stellen. Niemand hat gefragt oder festgestellt, nach welchen Kriterien Algorithmen arbeiten. Oder wie es um das Phänomen der Selbstverstärkung steht. Wenn ökonomische Gründe Fake-News verstärken, dann hat das einen konkreten Einfluss auf die Gesellschaft und kann möglicherweise sogar politische Wahlausgänge bestimmen.

Also sollte nicht die Politik für den richtigen Umgang mit Daten verantwortlich sein, sondern eine unabhängige Organisation?

Das Internet und die sozialen Medien konfrontieren uns mit denselben Fragestellungen wie ganz zu Beginn des Buchdrucks. Zunächst gab es da nämlich Wildwuchs. Dann schaltete sich Rom ein und die Zensur wurde etabliert mit all den daraus resultierenden Konsequenzen eines Indexes und einer echten Zensur. Im Grunde passierte das, weil Rom damals behauptete, es würden Lügen publiziert. Daraus müssen wir lernen und Stellung beziehen. Es darf keine Institution geben, die den Informationsfluss nach politischen Interessen steuert. Auf der anderen Seite ist es aber eine gesamtpolitische Aufgabe, eine unabhängige Instanz zu etablieren, die genau dies tut.

Was schlagen Sie vor?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Zensor ist eine Möglichkeit. Man kann das Ganze aber auch juristisch angehen und unsere Gesetze im Hinblick auf Fake-News verschärfen. Wenn Institutionen Nachrichten herausgeben, die vielleicht desaströse Konsequenzen haben und die vielleicht für die Politik missbraucht werden, dann würden sie dafür bestraft. So langsam wird klar, dass der Wildwuchs, die unbegrenzte Information ohne Filter, nicht mehr funktioniert.

Wo sollte Ihrer Ansicht nach die Grenze gezogen werden?

Es existieren bereits eine Menge guter Gesetze. Wir müssen uns klarmachen, dass das Internet und soziale Netzwerke die mediale Fließrichtung umkehren. Aus Massenmedien sind die Medien der Massen geworden. Individuen werden plötzlich zum Massenmedium. Wir haben Begriffe wie Influencer etabliert, einzelne Personen, die so viele Follower haben, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes „beeinflussen“. In den klassischen Pressegesetzen gibt es eine klare Trennung zwischen Werbung und Programm. Werbung muss gekennzeichnet werden. Viele Influencer sind de facto Dauerwerbesendungen. Das muss klar zu erkennen sein.

Wie verändert der digitale Raum das Verhältnis von Medium und Konsument?

In Zukunft werden wir nicht mehr nur über Medien im klassischen Sinne, sondern auch über die Spuren, die wir bei der Nutzung digitaler Inhalte hinterlassen, reden müssen. Wenn wir früher ein Buch gelesen haben, taten wir das ganz für uns auf der grünen Wiese. Heute wird alles, was wir elektronisch lesen, protokolliert. In anderen Worten: Das Buch liest uns. Wer diesen Artikel publiziert liest, offenbart beim Lesen seine eigenen Daten. All das ist im Moment noch nicht ausreichend rechtlich geregelt. Zusätzlich haben wir gemerkt, dass wir mit diesem Targeting auch politische Haltungen erfassen können, ähnlich wie es die Werbung auch tut. Die Option also, jemanden dazu zu verführen, in diesem Falle nicht etwas zu kaufen, sondern jemanden zu wählen. Wir erleben das erste Mal in der Geschichte eine Konfrontation des Bürgers mit einer enorm potenten Maschinerie, die in der Lage ist, tatsächlich zu manipulieren. Jetzt wird der ein oder andere vielleicht sagen: „Das wird mir nicht passieren.“ Und ich denke, das ist der größte Fehler. Selbst der beste Akademiker, der kritischste Journalist muss sich bewusstmachen, dass er manipulierbar ist.

Welche Gefahren birgt die digitale Infrastruktur, wenn sogar besonders kritische Köpfe von ihr manipuliert werden können?

Es gab ein Facebook-Experiment, das in den Kongressanhörungen nur ein einziges Mal kurz angesprochen wurde. Facebook hat geschaut, was man erreichen kann, wenn man einem User positive oder eher negative Nachrichten im News-Feed anzeigt. Wir reden also nicht nur von intellektueller Manipulation, wir reden von emotionaler Manipulation. Dieses Experiment, nur peripher behandelt, offenbart enormes Potential. Die große Gefahr dabei ist, dass diese Manipulation nicht auf den Bereich des Konsums begrenzt bleibt. Sie wird auch von Nationen missbraucht, die, natürlich bedingt durch die digitale Infrastruktur, in der Lage sind, in kürzester Zeit ihre Bürger zu bewerten. Das probiert man bereits in China. Es ist möglich geworden, Bürger vollständig zu kontrollieren. Dass wir das begreifen, ist enorm wichtig. Die digitale Infrastruktur, die tolle Möglichkeiten bietet, kann gleichermaßen ein extrem gefährlicher Nährboden für Diktatoren und autoritäre Systeme werden. Dieser Gefahr müssen wir uns bewusst werden.

Bald könnte es dank technischer Hilfsmittel die Möglichkeit geben, menschliches Verhalten vorherzusagen. Was würde das in diesem Kontext bedeuten?

Ja, das sogenannte Predicting ist einer der nächsten Schritte. Werbung versucht, den Menschen zu beeinflussen, aber wir können aktuell noch nicht wissen, ob die Manipulation auch funktioniert. In dem Moment, in dem ich den nächsten Schritt antizipieren kann, habe ich einen sehr viel stärkeren Zugriff auf den Konsumenten. Prediciting wird in anderen Bereichen bereits intensiv angewendet, denn es ist nicht nur die Werbung, die du anklickst. Wenn du eine Nachricht schreibst, schlägt dir das Mobiltelefon bereits die nächsten Wörter vor. Bei genauerem Hinsehen merkst du, dass die Vorschläge gar nicht so blöd sind. In wenigen Jahren wird die Software durch Machine-Learning ziemlich genau wissen, was du schreiben wirst. Präzise vorherzusagen, was du tun wirst, ist also der nächste Schritt. Wenn es so weit ist, brauchen wir einen neuen Ausdruck. Nicht mehr „ich möchte“, sondern „ich werde gemöchtet“.

Welche Folgen hätte das?

Jeder kann sich heute schon fragen: Wieso habe ich diesen Pullover gekauft? Wieso habe ich diese Urlaubsreise gebucht? Oft, wenn wir wirklich darüber nachdenken, merken wir, dass ein Werbespot oder ein Influencer uns dazu verleitet hat. Weil auf diese Art und Weise ein künstliches Bedürfnis verstärkt wurde. So etwas gab es auch früher. Der große Unterschied ist aber, dass wir heute durch die gigantische maschinelle Unterstützung in der Lage sind, diese Prozesse extrem individuell auszuführen. Damit gibt es heute eine Form der Kontrolle, die nicht mehr so offensichtlich ist wie früher. Ich erinnere mich noch an die Zeit in der UdSSR: Es gab große Lautsprecheranlagen, und allmorgendlich tönte ein Radioprogramm über die Straßen. Jeder wusste: Das ist Propaganda. Das Schlimme ist, dass die heutige Propaganda nicht mehr so offensichtlich ist.

Ist es vielleicht gerade deshalb an der Zeit, die positiven Seiten der Digitalisierung zu nutzen?

Nun, der erste Punkt ist, dass die digitale Entwicklung in der Frühphase des Internets im Wesentlichen ökonomisch getrieben war. Wenn man im Silicon Valley mit den Unternehmern spricht, wird immer die gleiche Frage gestellt: „What‘s the business model?“. Das gesamte Handeln, die unzähligen Apps, die sozialen Netzwerke, die Suchmaschinen, die Videoplattformen sind im Kern alle ökonomische Modelle mit dem Ziel, Geld zu verdienen. Langsam ist es aber tatsächlich an der Zeit zu begreifen, dass Kommunikation weit mehr ist als ein Geschäftsmodell. Wenn das einmal klar wird, merken wir, dass es vielleicht noch ganz andere Freiheitsgrade gibt. Und wir kennen ein paar! Ein Beispiel ist Wikipedia. Wikipedia ist ein Modell, bei dem eher die Wir-Gesellschaft im Vordergrund steht; wo Menschen gemeinsam versuchen, anderen Wissen zugänglich zu machen. Es gibt viele Initiativen, die nicht der Bereicherung des Einzelnen dienen, sondern dem Wohl der Mehrheit. Vielleicht ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen und zu sagen: „Wir haben die Chance, die Früchte dieser digitalen Kultur sowohl für ökonomische Zwecke als auch für ganz andere zu nutzen.“

Und der zweite Punkt?

Die Kosten für die Vervielfältigung eines Produktes, die Grenzkosten, schrumpfen im digitalen Raum auf ein Minimum. Wenn ich heute einen Text schreibe und ihn im Internet verbreite, dann sind die Grenzkosten annähernd null. Das heißt, wir entwickeln uns möglicherweise zu einer Kultur, in der sich klassische ökonomische Entitäten auflösen; in einigen Bereichen kommen wir in eine Null-Grenzkosten-Welt. Das wäre sozusagen ein Ideal, und das Internet wäre dann tatsächlich eine Bereicherung für viele.

Trotzdem gibt es viele Skeptiker …

… die zum Beispiel sagen, wir sollten uns von sozialen Netzwerken fernhalten. Aber ich halte das für den falschen Schritt, denn sie bergen ein enormes Potential. Es ist wie bei ganz vielen Technologien ein Einschwingvorgang. Noch gibt es kaum Regeln, und wir fangen gerade erst an, die Frage zu stellen, wer sie etablieren sollte. Meiner Ansicht nach ist das die Aufgabe des Staates. So ähnlich wie vor mehr als 100 Jahren, als die Automobile auf die Straße kamen und man merkte: So können wir nicht weiterfahren. Wir brauchen Verkehrsregeln, wir brauchen Straßenschilder, wir brauchen Verkehrsampeln. Dafür war der Staat zuständig. So sollte es auch hier sein.

Was muss Ihrer Ansicht nach dringend getan werden?

Wir sind gerade dabei, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Bewusstsein dafür, dass wir an der ein oder anderen Stelle mehr tun müssen als in der Vergangenheit, ist definitiv da. Zum Beispiel bei der Monopolisierung im digitalen Raum: Heute läuft dort alles nach dem Motto „The winner takes it all“ mit der Folge, dass es nur die eine große Suchmaschine gibt – nämlich Google – und nur das eine große soziale Netzwerk – Facebook. Verankert in der Wirtschaft haben wir das Kartellrecht. So langsam ist es an der Zeit, dass wir es auch im digitalen Raum anwenden. Meine persönliche Meinung ist, dass ab einer bestimmten Relevanz der Daten Algorithmen offengelegt werden müssten. Weil man in einer demokratischen Gesellschaft nicht zulassen kann, dass Informationsströme intransparent von einem privatrechtlichen Unternehmen gesteuert werden.

Interview: Katharina Tesch

Digitalisierung

Ranga Yogeshwar ist Diplomphysiker, Wissenschaftsjournalist, Autor und Moderator. Er beschäftigt sich eingehend mit der digitalen Revolution und den Auswirkungen der künstlichen Intelligenz, so zum Beispiel auch in seinem im Oktober 2017 erschienenen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“.

“Even the very best academic, the most critical journalist can be manipulated”

0 1 #2 Detail © Max Dauven

How do we distinguish relevant from irrelevant information? In his interview with 42 Magazine, science journalist Ranga Yogeshwar talks about the overflow of information and why it is important to filter it. He calls for the disclosure of algorithms while simultaneously pointing out the positive sides of digital transformation and suggests that its benefits should be used beyond economic ends.

Mister Yogeshwar – as a physicist and science journalist, you must often find yourself at the source of research and innovation. When did you first notice how rapidly digital transformation was changing our lives?

I started programming very early on. I built my first computer in the late seventies. I think I was one of the first people in Germany who could send e-mails. The problem was that hardly anyone had an e-mail account back then. That was when I realised that the internet was going to change the grammar of communication.

So are we in the middle of a revolution?

We are at the beginning of a revolution and its consequences are not entirely predictable yet. When printing was invented, we were suddenly able to reproduce communication. Fundamentally, that was what enabled Martin Luther’s Reformation. It wouldn’t have been possible without the invention of printing. So when the internet came along, it was no surprise that this new communication technology had a huge potential to change how we interact as a society.

What sort of change are you thinking of in particular?

A simple example: right now, we are doing an interview. Later, this interview will be published as a text. It is not clear if this will be the same in fifteen years. Even today, there are new technologies, for example intelligent assistants, who use speech as a source of direct input instead of written text. On the book market, audiobook sales rival those of traditional books. When people have a problem with a device and need a manual, they watch a YouTube video. There is a possibility, incredible as it may sound, that we are becoming a post-text society – that within 20-30 years, we may be establishing a culture in which the written word as we know it will be replaced – by speech, by videos, maybe by something else entirely.

Isn’t the idea of a post-text society, of a culture without text or writing, a little far-fetched?

It does seem far-fetched. But thinking about it bears an important potential: for example, as the world becomes more and more complex, we are noticing that the intersection of man-machine-interface is becoming increasingly simple. You needed a whole manual to use the first telephones. Today, interfaces are designed to be intuitive. In a way, they can reveal their own virtual grammar. It is possible that this trend will continue.

What does that mean for the individual?

Of course there are intellectual consequences. The development of language, written and spoken language, was the instrument of enlightenment. When you write, you distil your thoughts by arranging them in writing. Writing is a vehicle – not just of communication, but also of reflection. What happens when most people stop reading and watch videos or talk to devices instead, is unpredictable.

What effects could this development have on society?

On the one hand, the articulation of the individual through language, through writing, is something phenomenally simple. On the other hand, it is phenomenally complicated. Reading means deciphering a code – letters – and that means a lot of work. It is much easier if a device does the job for you or if someone shows you a video. But language is part of a thinking society. In some areas, we may even see a renaissance of the written word. My concern is that society will be divided into a small group of people who will write, maybe program, maybe design – and a huge group of people who will simply consume, won’t write anymore, but will only listen.

… and won’t think anymore?

And will think differently, maybe. One-hundred years ago, greater access to information enabled the expansion of democracy. Censorship meant that the flow of information was cut off and information was held back from the public. Of course, that wasn’t good. But today, the situation has reversed and there is an overflow of information. This is a big disadvantage, because as we see more information, it becomes a sea of information, an ocean, even: It becomes harder and harder to distinguish relevant information from irrelevant information.

Social media profits from showing users wrong information”

What role does social media play in this overflow of information?

The business model of a social network is to operate so that users will stay in their ecosystem for as long as possible so that they can show them as many ads as they can. We know from research that the appeal of loud content, maybe even fake news, is very high. This means that social media profits from showing users wrong information. A specific example from an MIT (Massachusetts Institute of Technology) study: A fake post on Twitter will reach 1500 people six times faster than a true story. The result is that we experience a peculiar agitation in the media that doesn’t always go hand in hand with the truth. In the past, the procurement of information was the problem – in the future, it will be the filtering of information, the distillment to relevance or significance.

Who will be responsible for developing these information filters?

That is an interesting and very current debate. If you followed Mark Zuckerberg’s Senate hearing in April 2018, you could sense the same question hanging in the air, although it wasn’t answered. But implicitly, Zuckerberg said that in the future, he would be able to detect and delete fake news automatically, to identify terrorist groups, to potentially carry out the whole process of filtering information – all with the help of artificial intelligence.

But this statement was never questioned. Could a social network that connects more than two billion people worldwide become a censor? What consequences would that have for different cultures? The things you can say in the US; you aren’t always allowed to say in Germany. The situation is different again in countries like Egypt or China.

“In the past, the procurement of information was the problem. In the future, it will be the filtering of information”

What would such a regulation look like in Germany for example?

In Germany, you could establish a government authority. But that would be dangerous because as a result, you would create an apparatus of censorship. Maybe we would need an independent authority? The public-service broadcasters? What criteria should be used to filter? Who defines what is and isn’t fake news? What mechanisms can ensure that we will allow correct information in the future? Even when it supports a position outside the mainstream? We need to have this debate.

Do you think that politicians and political scholars are aware of the relevance of the debate you demand?

No, politicians aren’t aware of the debate’s relevance at all. So much was obvious during Zuckerberg’s hearing. The total lack of awareness in politics was remarkable. There were obviously people in the room who didn’t even have a Facebook account and had a peculiar view of social media as a result. Unfortunately, this meant that they weren’t able to ask the really important questions. Nobody asked or stated what criteria the algorithms are based on. Or about the phenomenon of the echo chamber. If economic reasons can increase fake news, that can have a tangible influence on society and could even decide a political vote.

So if politicians shouldn’t be responsible for the correct use of data, do we need an independent organisation for that?

The internet and social media confront us with the same sort of questions that the invention of printing did. At first, there was uncontrolled growth. Then Rome stepped in and censorship was established, with all its resulting consequences. Basically, this happened because Rome claimed that people were publishing lies. We have to learn from that and take a stand. There must be no institution that controls the flow of information based on political interest. On the other hand, it is a political task to establish an independent body that does just that.

What would you suggest?

There are a number of possibilities. A censor is one of them. You could approach the problem from the legal side and toughen the laws regarding fake news. If an institution published a piece of news that could have disastrous consequences and might be misused politically, they would be punished for that. It is slowly becoming clear that the uncontrolled growth – that unlimited, unfiltered information – isn’t viable anymore.

In your opinion, where should we draw the line?

There are already a lot of good laws. We have to be clear on the fact that the internet and social networks reverse the flow of the media. Mass media has become the media of the masses. Individuals can suddenly become mass media. We have established words like “influencer”, individuals who have so many “followers”, that they, in the truest sense of the word, influence people. In traditional press laws, there is a clear separation between advertising and content. Advertising has to be clearly marked. Many “influencers” are in fact more like infomercials. That has to be made absolutely clear.

How does the digital space change the relationship between media and consumer?

In the future, we will not only have to talk about media in the traditional sense. We will also have to talk about the traces that the use of digital content leaves. In the past, when we read a book, we did it on our own on a green lawn. Today, everything we read electronically is logged. In other words: the book reads us. Everyone who reads this article in its published form reveals their own data while reading.

None of that has been sufficiently settled in legal terms yet. On top of that, we have noticed that, similarly to advertising, we can gather political stances through “targeting”. Just as it is possible to persuade someone to buy something, it is possible to persuade them to vote for someone. For the first time in history, we are experiencing the confrontation between the public and an enormously powerful machinery capable of manipulation. A couple of people might say: “That will never happen.” And I think that is a huge mistake. Even the best academic, the most critical journalist has to be aware that they can be manipulated.

How dangerous is our digital infrastructure when even critical minds can be manipulated?

There is a Facebook experiment that was only mentioned briefly during the Senate hearing. Facebook tested what would happen if they put positive or largely negative content in a user’s news feed. So, we are not just talking about intellectual manipulation, we are talking about emotional manipulation. This experiment, which has only been dealt with on a surface level, has enormous potential. There is a huge danger that manipulation will not remain limited to consuming. It is also misused by nations that, due to their digital infrastructure, can evaluate their citizens in no time at all. China is already trying it. It is now possible to control citizens completely. It is vital that we understand that. The digital infrastructure offers great opportunities but is also an extremely dangerous breeding ground for dictators and authoritarian systems. This is a danger we have to be aware of.

We might soon able to predict human behaviour with the help of technical tools. What would that mean in this context?

Yes, “predicting” is one of the next steps. Advertising tries to influence people but at the moment, there is no way of knowing if such manipulation works. If they can anticipate the next step, advertisers will have a much stronger hold on the consumer. “Predicting” is already used extensively in other areas, because it’s not just about ads that you click on. When you write a message, your mobile phone suggests words you might use next. If you take a closer look, the suggestions aren’t half bad. In a couple of years, through machine learning, the software will have a pretty precise idea of what you will write next. Precise predictions of your behaviour are the next step. When that time comes, we will need a new term. Not “I would like” but “I am made to like”.

What consequences would that have?

Everyone can ask themselves today: Why did I buy this jumper? Why did I book this holiday? Often, when we really think about it, we realise that an ad or an influencer led us to this decision. An artificial desire was increased. That’s the same as before. The difference is that today, we are able to execute this process individually, due to gigantic mechanical support. Today, there is a form of control that isn’t as obvious as it used to be. I remember how it used to be in the Soviet Union: There were huge loudspeakers, and each morning a radio programme was broadcast across the streets. Everyone knew: this is propaganda. Unfortunately, today’s propaganda isn’t as obvious.

“Communication is more than a business model”

With that in mind, is it time to recognise the more positive sides of digital transformation?

Well, first of all, the digital development in the early phases of the internet was largely driven by economic factors. If you talk to a company in Silicon Valley, the question is always the same: “What’s the business model?”. Every action, each one of the countless apps, the social networks, the search engines, the video platforms – at their core, they are all economic models with the goal to earn money. It is slowly time to realise that communication is more than a business model.

If that becomes clear, we might see that there are more degrees of freedom. And we even know of some! Wikipedia is an example. Wikipedia is a model where the sense of community is central; where people try to make knowledge accessible together. There are many initiatives that serve the public good instead of the advancement of an individual. Maybe it is time to change tack and to say: “We have the chance to use the benefits of digital culture for something beyond economic means.”

And second of all?

The cost of a product’s reproduction, the terminal costs, are reduced to a minimum in the digital space. If I write a text today and share it online, the costs are close to zero. That means, we are developing into a culture where traditional economic entities dissolve. In some areas, we are approaching a world of no terminal costs. That would be a kind of ideal and the internet would really become an asset for many.

Nevertheless, there are many sceptics…

…who say, for example, we should stay clear of social networks completely. But I think that’s the wrong approach, because they have an enormous potential. As with many other technologies, there is a period of adjustment here. Right now, we don’t have many rules, and we are just starting to ask the question who should establish them. If you ask me, it is the responsibility of the state. Just like over a hundred years ago, when cars started to appear on our roads and we realised: we can’t go on like this. We need traffic rules, we need road signs, we need traffic lights. It was the state’s responsibility then. It should be the same here.

In your opinion, what needs to be done?

We are starting to create the necessary conditions. The awareness that we need to do more than we did in the past is definitely there. For example, when it comes to the monopolisation of the digital space: Today, the motto is “The winner takes it all”. The consequence is that there is only one big search engine, namely Google – and just one big social network – Facebook. In business, we have the cartel law. It’s time to apply it to digital spaces as well. My personal opinion is that algorithms should be disclosed when they gain a certain level of relevance. In a democratic society, we cannot allow streams of information to be controlled by a private company in a non-transparent way.

Interview: Katharina Tesch

Translation: Elisabeth Lewerenz

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Ranga Yogeshwar is a physicist, science journalist, author and presenter. In his book “Nächste Ausfahrt Zukunft” (“Next Exit: the Future”), published in October 2017, he deals with the digital revolution and the effects of artificial intelligence.

ChadoNihi / Pixabay

In fortytwo’s nutshell – Febuary Edition

DE

Die Landung des Rovers Perseverance auf dem Mars vergangene Woche war ein bedeutender Meilenstein in der Erschließung des Weltalls. Für alle, die das Spektakel im Stream über Stunden live mitverfolgt haben und jetzt selber von einer Reise ins Weltall träumen, haben wir die aktuellen Möglichkeiten zusammengetragen.

Perseverance hat durchgehalten

Vergangene Woche ist der Rover Perseverance nach siebenmonatiger Reise durchs All auf dem Mars gelandet. Percy, wie der Rover auch genannt wird, hat die Landung gut überstanden und auch die “Sieben Minuten des Schreckens”, in denen der Rover während des Eintritts in die Marsatmosphäre keinerlei Signale zur Erde schicken kann, waren kein Problem. Wie schon die bisherigen Rover wird Perseverance nicht wieder auf die Erde zurückkehren – allerdings ist ein weiterer Rover in Planung, der Percy am Ende des Jahrzehnts treffen könnte, um die bis dato gesammelten Proben abzuholen. Wenn alles gut geht, wird Perseverance uns mehr Einblicke in potenzielle Spuren außerirdischen Lebens geben, wie zum Beispiel Fossilien von Mikroben. Abgesehen von Fotos und Tonaufnahmen, die die NASA regelmäßig erreichen werden, hat Perseverance auch noch eine neue technische Funktion. Der Rover kann eine Drohne aufsteigen lassen und damit den ersten Flug auf dem Mars initiieren.

 Ein wenig mehr als nur Kleingeld 

Nächstes Jahr, wenn alles nach Plan verläuft, wird der erste kommerzielle Raumflug zur International Space Station (ISS) stattfinden. Mit an Bord drei Männer, die acht Übernachtungen an Bord der ISS gebucht haben. Jetzt ist auch bekannt, wie viel jeden von ihnen dieser besondere “Ausflug” kosten wird: 55 Millionen US-Dollar. Die Harvard Business Review hat einige Gedanken zu der Kommerzialisierung des Weltalls zusammengetragen. Sie differenziert zwischen zwei Wirtschaftszweigen: der space-to-space Wirtschaft, die zum Beispiel den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden für die Nutzung im All umfasst – und die space-for-earth-Wirtschaft, bei der Güter und Service aus dem All für die Nutzung auf der Erde bestimmt sind. Während ersterer auch nach 50 Jahren noch immer nicht richtig ins Rollen gekommen ist, sieht sich zweiterer vor allem mit Hindernissen wie limitierten Ressourcen und einer zu großen Nachfrage konfrontiert. Allerdings werden durch den Einstieg von privaten Firmen irgendwann mehr Menschen im Weltall sein und einen ganz anderen Wirtschaftszweig fördern. Drei Millionäre, die eine Reise ins All wagen werden da nur der Anfang sein.

Zeit, beruflich umzusatteln?

Für alle, die schon immer davon geträumt haben, das Weltall zu bereisen und die 55 Millionen Dollar gerade nicht parat haben, hat die European Space Agency (ESA) angekündigt, bis zu 26 neue Astronaut:innen ausbilden zu wollen. Der Aufruf richtet sich vor allem an Frauen und hat das Ziel, das Berufsfeld zu diversifizieren. Außerdem wird auch explizit nach Bewerber:innen mit körperlicher Behinderung gesucht. Dazu stellt Dr David Parker, der Chef des Robotics and Human Spaceflight Programs der ESA klar, dass nicht nach einem “space tourist” gesucht wird, sondern nach einem vollwertigen Mitglied der nächsten Weltallmission. Auf vier bis sechs der Bewerber wartet eine Festanstellung und zukünftige Weltraummissionen. 20 weitere würden als Reserve dienen und für bestimmte Missionen herangezogen werden.

Von Laura Emily Schulze

EN

Thursday’s landing of the Perseverance rover on Mars was a significant milestone in the continuous exploration of outer space. For everyone now thinking of venturing into space themselves after watching the events live, we have compiled the current possibilities to possibly fulfill that dream.

Perseverance has persevered 

Last week, after flying through space for seven-months, the Perseverance rover finally landed on Mars. Percy, as the rover is also called, had no issues while landing. Even the “Seven Minutes of Terror,” during which the rover is unable to send any signals to Earth while entering the Martian atmosphere, did not pose any problems. Like its predecessors, Perseverance will not return to Earth; however, another rover is being developed to meet Percy in about ten years to pick up the collected samples. If all goes well, Perseverance will give us more insight into potential traces of extraterrestrial life, such as fossils of microbes. Aside from the photos and sound recordings that it will regularly send to NASA, Perseverance comes with a new technical feature. The rover will be able to launch a drone, initiating the very first flight on Mars.

A little more than just pocket change

The first commercial space flight to the International Space Station (ISS) is to launch next year, with the three men on board having booked eight nights aboard the ISS for the steep price of $55 million each. The Harvard Business Review has put together some thoughts on the commercialization of space, differentiating between two economic sectors: the space-to-space economy, which includes, e.g., mining raw materials on asteroids to be used in space – and the space-for-earth economy, in which goods and services from space are secured for use on Earth. While the former has failed to really take off (no pun intended) in the last 50 years, the latter faces obstacles such as limited resources and high demand. However, with private companies’ involvement, more people will eventually be in space, creating an entirely different industry. Three millionaires venturing into space will be just the beginning.

Time for a career change? 

For everyone who has always dreamed of traveling into space but cannot afford the $55 million price tag, the European Space Agency (ESA) has announced plans to train up to 26 new astronauts. ESA is striving to diversify the profession, therefore aiming the announcement especially towards women. Additionally, applicants with physical disabilities are explicitly sought out. Dr. David Parker, head of the Robotics and Human Spaceflight Program at ESA, clarifies that they are not looking for a “space tourist” but for a fully-fledged member of the next space mission. Steady job prospects and future space missions await four to six of the applicants. Twenty others would serve as reserves and be called upon for specific missions.

By Laura Emily Schulze

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“Online dating leads to a better society“

0 1 #7 © Max Dauven

How Tinder & Co Shape Our Society

Online dating is still stigmatised. Scientists Josue Ortega from Mexico and Philipp Hergovich from Austria suggest two reasons to rethink the bad image of dating apps: they argue that relationships that start online last longer, and that online dating has a liberating effect on a society. 

Mister Hergovich – are you on Tinder?

No.

Nonetheless, you and your Mexican colleague Josue Ortega from the University of Essex discovered that a relationship lasted considerably longer if couples had met through Tinder.

(laughs) Yes, that is true, but I am already in a happy relationship. Admittedly, we did indeed discover that finding your partner online leads to longer, steadier relationships than those of couples that met in the real world. Marriages that evolve from online relationships less often result in divorce, and both parties tend to be happier in the marriage. We first noticed this phenomenon among our friends when more and more people started using dating apps. To gather data, we first developed a theoretical framework. This led us to simulate social circles and observe the results of people getting to know each other online in our small, mimicked societies.  Eventually, we were able to generate two predictions, one of them being that relationships last longer if the couple meets each other online.

And in real life?

This has been confirmed in real life. We applied our theory to multiple American studies and our prognosis was actually confirmed.

Does Tinder, as a medium, have a bad reputation regarding its possibilities to find a quick and simple hook up?

Obviously, Tinder makes it simpler to experiment, and it is very likely that the dating platform makes it easier than in real life. We did not concentrate on that aspect because our research focuses on long-term relationships. Regardless of the possibility that online dating might be helpful to find one night stands easily, we believe that it can lead to better and more serious long-term relationships.

How do you explain that?

The larger online pool of potential partners is at the core of our explanation. In other words, it is way more efficient to search online. Dating in the real world limits you to places like the workplace, friend groups or social circles, or even a bar, which makes the potential compatible group smaller and statistically reduces your chances of meeting the right person. On the contrary, if you use online dating sites, there are more people to choose from and everyone you meet is single.

But does the paradox of choice not make it harder to find the right person?

Obviously, that can be difficult, just like in real life. But we believe that a bigger range leads to a better idea of what is out there. Also, most people are not single because they know too many potential partners, but because they do not know anyone who could be a possible match…

That sounds a lot like a free-market approach.

I come from a background of economics, so yes, our theory does tie in with market theories.

That does not sound very romantic. Does your theory degrade love to a sterile probability equation and take out all the magic in the process?  

Ah yes, the magic of love. I would never dare to question that. I do believe in the magical aspects of romantic relationships, but I do not believe that it is linked to how people find each other. The magic of love, as you would call it, takes place after finding a partner and then during the relationship. This applies to all kinds of relationships; the ones started online, and those started offline. I do not see it as a negative thing to contribute to the probability of individuals meeting someone they can share these magical feelings with.

Once I found someone I share the same feelings with, I still know that there are other great partners waiting for me on Tinder. Does this extended supply destroy our ability to really get involved with one person?

That is not something we were able to study. But the other way around, you could also assume that both individuals will put more effort into the relationship because it is so much easier to find someone else.

Your other research question studies how online dating could potentially lead to a more diverse society.

Precisely. Through empirical data, we were also able to prove this thesis. Offline, we tend to stick to the same communities when looking for a partner. If you are searching at work or among your friend groups, the likelihood of you finding someone who has the same socioeconomic background as yourself is very high. Especially platforms like Tinder, which assign matches more or less on a random basis and allow couples to meet who would never have found each other in the real world. These couples have the potential to be more diverse and not share the same social background with their new partner. Realistically, these kinds of relationships have a harder time being formed offline. These developments could result in a more egalitarian society.

And a white-collar type will not have prejudices towards a punk or vice versa when they meet online?

That is a good point: prejudices do pose a sort of obstacle. But on the other hand, studies have shown that people put off their prejudices more easily in dating scenarios. A group of researchers from Columbia University, the University of Chicago and Stanford University have studied speed dating and concluded that people are more likely and willing to put prejudices about other cultural backgrounds aside in such scenarios. You just have to be given the opportunity to get in touch with someone from a different background than your own, which happens far more often while speed dating than in real life.

So can we call Tinder the death of racist societies?

Well, you are right, we have to be careful with such an assumption. For a start, online dating is utilised more by liberal people who have fewer tendencies to employ racism in general. Also, multicultural relationships have become more and more common throughout the past years and we cannot conclusively tie that development to online dating. Diverse societies and online dating have no confirmed relation with each other and we cannot prove a direct connection without a doubt. We are currently considering ways to prove that by conducting experiments.

Can digital dating help modernise societal rolls?

Generally, we believe that more people interact with each other who never had the chance to do so beforehand. So it is possible that people are now starting relationships that would otherwise never have been formed. For example, a relationship between an older woman and a younger man. However, it is important to emphasise one’s individual choice when starting a new relationship.

Does the famous bubble also exist when it comes to dating?

Yes! Which obviously endangers our thesis around online dating and a diverse society. When affluent people sign up for one platform, and less well-off people for another one, then obviously a diversification of society is not going to happen. Interestingly, platforms that lead people to that kind of segregation are rare.

Why is that?

That can be tied to the so-called Networking Effect, which we also know from social media platforms like Facebook or Twitter. This means that when the majority is on Facebook, it makes sense for an individual to join Facebook, rather than Studi-VZ (a German social media platform), because all their friends are already on Facebook. Social networks have a certain tendency to create monopolistic markets and this also seems to apply to dating sites.

“So many parts of our lives are shifting online – why should our love lives be the exception?“

Of couples that meet each other over the internet, only a third is heterosexual. Amongst homosexuals, the internet is by far the most common way to find a partner. Cultural pessimists think of this as a societal step back.

I think such statements make no sense. Everything and anything that helps to bring people together and fall in love with each other is a step forward. As I just mentioned, the chances for homosexuals to find a partner have risen a lot. Before online dating, it was so much harder and this one change had such a positive effect. I do not believe that a relationship is more romantic because of the way a couple met for the first time, but it is romantic because they work well together. Besides, I believe that even more couples will find each other online going forward. So many parts of our lives are shifting online, and why should our love life be the exception?

So dating apps are more than just a hype?

Definitely! Of course, people will also continue to meet offline in the future, but online dating will naturally gain more and more relevance. This is simply because over the past few years, we have developed the tendency to leave the house less and less, and spend more time on our laptops and phones. Due to this development, many other areas of life, such as grocery shopping, have also been moved online. I don’t understand how our love life should be excluded from that.

Is there a common factor between your ideas of online dating as a guarantee for more solid relationships, and as a way to form more diverse couples?

Yes, in a way. Online dating, in general, does lead to a better and more liberal society.

Does this not lead us to the chicken-and-egg problem?

Actually, we cannot prove a liberalising power of online dating, but we can point out a connection between the two. Liberal societies tend to tolerate online dating more.

A digital world and more liberalism seem to go well together. Is this an idea that can be applied to other parts of our social lives?

Yes, within reason. Obviously, you cannot apply our results directly to other ways of digital transformation, but in general, digital transformation means that other parts of our lives can be designed more efficiently. For example, relationships that never seemed to be feasible up to this point. Social media has made it possible for long-distance couples to have relationships when there are continents between them. It is possible to be part of the life of a person who we only see very rarely in person. Obviously, there are also limitations to this.

What kind of limitations?

For example, the famous echo chambers and bubbles that most of us seem to be living in. In theory, the internet has the power to connect people from other social backgrounds with different opinions, or people that live in completely different parts of the world, and give them the chance to exchange ideas and values. But the algorithms of many social networks prevent that from happening and lead us to connect mostly with our peers. It would be interesting to study which one would eventually prevail: the liberal nature of the internet or algorithms. As I have said before, this tendency is noticeable on some social media platforms.

“The digital world should always remain the means and not the objective“

Elitepartner.de for example – which is a German dating platform advertising an “elite” client base.

Exactly. If these kinds of platforms establish themselves, the egalitarian potential of the internet is over. But for the moment, it seems that online dating impacts our society in a positive way.

Where is the limit? Which parts of our social lives should not be shifted online?  

I believe that the limit is automatically reached once we spend all of our time in front of the computer. Best-case scenario, social networks as much as dating sites should give us the possibility to enrich our daily lives; they should function as extra support. The digital world should always remain the means and not the objective.

Interview: Yves Bellinghausen

Translation: Laura Emily Schulze

Digital-Transformation-and-Online-Dating

Philipp Hergovich is an economist who teaches at the University of Vienna. Together with colleague Josue Ortega from the University of Essex, he studied how online dating affects societies.