Editorial_de, Magazin, Vol. 4: Klima im Wandel
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Editorial N°4

Fires © Sayler/ Morris

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

„Ich bin keine Wissenschaftlerin, ich bin nur ein Mensch. Was kann ich gegen den Klimawandel tun?“, fragte eine junge Frau auf unserer ersten 42_analog-Podiumsdiskussion in London. Ich saß schräg hinter ihr und fand sie wahnsinnig mutig, aber gleichzeitig schmerzten mich ihre Worte. Sie zeigen die Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, die so viele spüren: Akademiker auf der einen, alle anderen Menschen auf der anderen Seite – als gäbe es eine Trennlinie. Wir wollen diese Kluft verringern und dazu beitragen, dass alle von den wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren können, anstatt ehrfürchtig Distanz zu ihnen zu wahren. Genau aus diesem Grund arbeiteten auch an dieser vierten Ausgabe von 42 Magazine wieder mehr als 40 junge Europäerinnen und Europäer. Auf unserer Podiumsdiskussion diskutierten die Klimatologin Fredi Otto, der Historiker Richard Staley und der digitale Klimaaktivist Adam Levy, der vor allem als YouTuber ClimateAdam bekannt ist, über die Auswirkungen des Klimawandels. Am Ende steht das Fazit: Am wichtigsten sind politische Maßnahmen – und dass wir über den Klimawandel sprechen.

Die Frage, wer etwas gegen den Klimawandel tun kann und sollte, ist komplex. Anthony Patt, Professor für Klimapolitik, formuliert eine klare Aufgabe, wenn wir den Klimawandel stoppen möchten: Unsere CO2-Emissionen müssen auf null heruntergefahren werden. Er fordert ein kollektives Umdenken und Veränderungen in der Klimapolitik. Auch wenn die Wissenschaft sich einig ist, dass wir Menschen die Verantwortung dafür tragen, dass die Erde sich erwärmt, gibt es trotzdem jene, die dies anzweifeln. So fallen auch rechtspopulistische Parteien immer wieder durch klimawandelkritische Äußerungen auf. Im Gespräch mit Alexander Carius und Stella Schaller diskutieren wir, wie sich der Klimaschutz verändern muss, um Klimawandelskeptikern die Munition zu nehmen.

Was passiert, wenn die Bemühungen nicht reichen und der Klimawandel schneller voranschreitet, als er bekämpft wird? Viele Experten forschen daran, wie wir den Klimawandel aufhalten können. Andere versuchen, auf die Umwelt einzuwirken, um ihn zu verlangsamen. Einer von ihnen ist Gernot Wagner. Im Interview mit 42 Magazine spricht er über konkrete Ansätze des Geoengineering, die er im Team an der University of Harvard entwickelt und die uns womöglich helfen können, den Klimawandel hinauszuzögern. Allerdings schwingt bei seiner Arbeit immer eine große Sorge mit: dass diese Erfindung als Lösung für den Klimawandel missverstanden wird.

Tatsache ist: Die Ressourcen werden zu schnell verbraucht, und das Klima kippt. Bereits der erste Mensch im Weltraum, Juri Gagarin, mahnte, die Erde nicht zu zerstören. Dafür entschuldigte sich Ende letzten Jahres der Astronaut Alexander Gerst in einer Videobotschaft aus dem All bei seinen zukünftigen Enkeln. Frank White prägte den Begriff Overview Effect für die veränderte Wahrnehmung von Astronauten, nachdem sie die Erde von außen – nur umgeben von der Leere des Weltalls – gesehen hatten. Sie bekamen großen Respekt vor der Verletzlichkeit unseres Planeten und ein Gefühl für die Einheit aller Menschen. Die Arbeiten der beiden Fotografen Susannah Sayler und Edward Morris, die diese Ausgabe mit ihrem ungetrübten Blick für den derzeitigen Wandel bereichern, zeigen diese Zerbrechlichkeit.

Es ist also auch für uns, die in naher Zukunft nicht ins Weltall reisen werden, möglich, sich die Verwundbarkeit unserer Erde vor Augen zu führen. Ich freue mich, Ihnen und Euch im Namen des gesamten 42-Teams zehn Perspektiven auf ein Thema aufzeigen zu können, das jeden Einzelnen von uns betrifft: das Klima im Wandel.

 

Herzlichst

Lena Kronenbürger

Chefredakteurin

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