Alle Artikel in: Vol. 2: Nationalismus

Editorial N° 2

  Liebe Leserinnen, liebe Leser, jahrhundertelang war die gelebte Grenzenlosigkeit in Europa selbstverständlich. Reisepässe, wie wir sie heute kennen, wurden erst 1920 eingeführt und sollten eigentlich wieder abgeschafft werden. Bis zu diesem Zeitpunkt trennten Grenzen kulturelle, sprachliche, religiöse oder geographische Räume voneinander, aber es handelte sich dabei nicht um politische Grenzen. Heute empfinden wir Staatsgrenzen als ebenso normal wie die Tatsache, dass manche ein Visum brauchen, um in andere Länder zu reisen. Das letzte Jahr hat gezeigt: Nationalismus und der damit einhergehende Wunsch, Grenzen abzustecken und zu kontrollieren, sind nach wie vor ein weit verbreitetes Bedürfnis. Jedoch sind Staaten, genau wie Pässe, ein Konstrukt. Wir verbinden Staaten mit der eigenen Kultur, aber vor allem in Grenzregionen wie dem Elsass wird deutlich, dass kulturelle und nationalstaatliche Grenzen nicht immer deckungsgleich sind. Entwicklungspsychologe Ulrich Schmidt-Denter erklärt im Gespräch mit 42, dass psychische Stabilität positiv mit sozialer Identifikation und Nationalstolz korreliert. Problematisch wird es jedoch, wenn das Konstrukt Nation verherrlicht und als Grund für die Abschottung von anderen Nationen missbraucht wird. Dieses Phänomen zeigt sich in Form der …

Nationalismus und die Identitäre Bewegung

Geschmückt mit Attributen der Jugendkultur will die Identitäre Bewegung den Nationalismus wieder salonfähig machen. Obwohl zahlenmäßig klein, hat sich die Gruppierung im Namen des Fortschritts mit spektakulären Aktionen zur Avantgarde der Neuen Rechten erhoben. Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Hentges beleuchtet Mittel, Ziele und ideologische Hintergründe der neuen Neuen Rechten.

 

Philosophy

Nationalismus und Philosophie

Die Beziehung von Philosophie und Nationalismus ist kompliziert. Über die vergangenen 250 Jahre haben philosophische Vorstellungen von Zugehörigkeit, der menschlichen Natur und historischem Fortschritt nationale Tendenzen hervorgebracht, bezähmt, wiedererschaffen und unterbunden, haben die Nationalisten Europas und der Welt gleichermaßen zurückgewiesen und ideologisch bestärkt. Heute fragen wir: Was kann uns die Philosophie über die Kraft des Nationalismus und die damit verbundenen Gefahren lehren?

United Nations

Nationalismus und die Vereinten Nationen

Noch unter dem Eindruck der Katastrophe des zweiten Weltkriegs werden 1949 die Vereinten Nationen gegründet. Ihr erklärtes Ziel: die Sicherung des Weltfriedens. Das Wiederaufleben des Nationalismus fordert jetzt den Zusammenhalt des wichtigsten Gremiums für internationale Zusammenarbeit heraus. 42 spricht mit Völkerrechtsexpertin Prof. Dr. Heike Krieger von der Freien Universität Berlin über einen Wandel in der Organisation von Kooperation zu Konfrontation.

nations

Nationalismus in der Neueren Geschichte

Wer sich mit der Geschichte des deutschen Nationalstaats auseinandersetzt, stößt unausweichlich auf den berühmten Satz: „Im Anfang war Napoleon.“ Aber bevor Deutschland in jene für seine Nationalgeschichte so entscheidende Phase eintritt, besteht es in Form eines eigenartigen politischen Konstrukts: dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Frau Prof. Dr. Mourey erklärt im Gespräch mit 42, wie dieses Reich sich von denjenigen Nationen unterscheidet, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts bilden und diskutiert, ob es einen Vorläufer des modernen Nationalstaats darstellt.

Art

Nationalismus in der Kunstgeschichte

Im Gegensatz zur „entarteten“ Kunst wurde der „artigen“ Kunst bisher weniger Aufmerksamkeit zuteil. Mit dem Makel der Glorifizierung durch die Nationalsozialisten versehen war sie bisher vornehmlich in den Depots der Museen zu finden. Diese Wahrnehmung scheint sich jedoch gegenwärtig zu wandeln. 42 im Gespräch mit Kunsthistorikerin Dr. Silke von Berswordt-Wallrabe über Herausforderungen im Umgang mit historisch aufgeladener Kunst und was wir von ihr lernen können.

right-wing

Nationalismus und die Sprache der Rechten

„Lügenpresse“ und „Volk“ – sind das Begriffe, die der Sprache der Rechten zugeordnet werden können? Prof. Fabian Virchow, Leiter der Foschungsstelle Rechtsextremismus an der Hochschule Düsseldorf diskutiert im Interview mit 42, ob es überhaupt rechts-ideologische Vokabeln gibt und wie sich rechte Akteure Sprache für Ihre Weltanschauung zu Nutze machen.

history

Die Geschichte des Nationalismus

Maj. Prof. Dr. Azar Gat, Vorsitzender des Department of Political Science an der Universität Tel Aviv, nimmt uns mit auf eine Reise zu den Geschichten verschiedenster Nationen weltweit. Er argumentiert, dass die Wurzeln der Nationen und des Nationalismus weiterreichen als in die Moderne, dass sie aus der Antike stammen, dem Beginn von Ethnizität und einem ersten Gefühl von Zugehörigkeit.

identity

Nationale Identität und Psychologie

Nähert man sich dem Thema Nationalismus aus psychologischer Perspektive, bietet es sich an, zunächst einen anderen Aspekt in den Fokus zu stellen: Das Konstrukt der nationalen Identität. Entwicklungspsychologe Ulrich Schmidt-Denter erklärt im Gespräch, was diese Identität mit Abgrenzung zu tun hat, welche Funktion sie erfüllt – und wieso sich die deutsche nationale Identität von der anderer Europäer unterscheidet.

Europe

Nationalismus in Europa

Hat der Nationalstaat ausgedient? Und was kommt dann? Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot entwirft ein Europa der Zukunft: mit starken Regionen und einer Demokratie. Wie unser Leben 2045 in der europäischen Republik aussehen könnte und warum wir genau jetzt in einem historischen Moment stecken, wird in diesem Interview diskutiert.

Brexit

Europa und der Brexit

Das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Frankreich, Ungarn, Deutschland – gleich welches europäische Land wir betrachten, die nationalen Parteien sind auf dem Vormarsch und werfen die Frage auf: Was führt zum Wiederaufleben von Nationalismus? Ist er eine wahre Bedrohung für die europäische Demokratie? Welche Maßnahmen können das verhindert? Dr. Julie Smith gibt 42 einen umfassenden Überblick über die nationalen Tendenzen in Europa im Lichte ihrer Position als angehörige des House of Lords in London.