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Corona-Momente aus der ganzen Welt

Anne Mueller

© Anne Müller

In diesen Tagen geschlossener Grenzen erscheint uns die physische Distanz zu unseren Freunden, Familien, zu Menschen in anderen Ländern unnatürlich groß. In der Krise hat sich die Welt in kleine nationale Einheiten zurückgezogen. Wir bekämpfen das Coronavirus weitgehend abgeschottet von unseren Nachbarn. Dabei sind die Erfahrungen, die wir in den verschiedensten Winkeln dieser Welt machen, sich doch sonderbar ähnlich.

42 ist ein internationales Projekt. Unsere Teammitglieder waren schon immer über den Globus verstreut. Hier wollen wir ein paar Momentaufnahmen teilen und Einblicke in die Selbstisolierung unseres Teams überall auf der Welt geben.

Sankt Petersburg: Alles handgewaschen

Erst seit dem 28. März gelten in Sankt Petersburg strenge Vorschriften für das Rausgehen. Die Regierung hat arbeitsfrei für alle, die nicht im Home-Office oder an der Kasse arbeiten, verordnet. So hat sich für mich ein neues Problem ergeben: Wäsche waschen. 

In dem Studierendenwohnheim, in dem ich lebe, ist eine Frau extra für die Waschmaschinen zuständig. Allein dürfen wir Studierende die Waschmaschinen nicht benutzen. Diese Frau hat nun aber arbeitsfrei und die nächste Wäscherei ist leider mehr als die erlaubten 100 Meter von meinem Wohnblock entfernt. Ob Wäschereien überhaupt aufhaben, ist unklar. Somit wasche ich meine Klamotten nun per Hand und wringe sie in einem Kraftakt ordentlich aus.

– Anne, Interviewerin 42 Magazine

Berlin: Virtuelles Bierpong

Ein Wochenende verbringen, ohne mit den Freunden zu trinken? Geht gar nicht in Berlin! Meine Mitbewohner und ihre Freunde hatten also eine Idee:

Ein virtuelles Bierpong-Turnier! Ziel dieses Spiel besteht darin, einen Tischtennisball in Biergläser zu werfen. Bei jedem erfolgreichen Wurf muss der Gegner den Inhalt des Glases trinken. Um die Ausgangsbeschränkung zu respektieren, spielt jeder bei sich zu Hause, mit den Gläsern des Gegners auf seinem Küchentisch, und ruft die anderen Teilnehmer über Skype an. 

Wir haben zehn Mannschaften von jeweils einem oder zwei Spieler gebildet und spielen zwei Mal die Woche gegeneinander. Jedes Spiel besteht aus zwei bis drei Runden und bei jeder Runde wird ein Bier getrunken. Das Bier fließt in Berlin trotz der Ausgangsbeschränkung weiter.

– Lucile, Interviewerin 42 Magazine

Paris: Ein Romeo-und-Julia-Moment in Zeiten von Corona

Seit dem 16. März ist Paris in Quarantäne, die ganze Stadt ist dicht. Das heißt: Zuhause bleiben, Besuchsverbot, Social Distancing, Isolation. Essenseinkäufe erledigen oder alleine joggen gehen sind aber Gott sei Dank noch erlaubt. Umso schöner, wenn man dabei herzerwärmende Situationen beobachtet, wie ich vor ein paar Tagen. 

Auf dem Weg zur Bäckerei sah ich neulich zwei Jugendliche, die eng umschlungen herumknutschten. Als ich 10 Minuten später mit meinem Kaffeebecher und einem Pain au Chocolat die gleiche Strecke zurück ging, verabschiedeten die beiden sich gerade. Traurige Blicke, zögernde Schritte und Hände, die sich nur langsam loslassen – tragisch. 

Erst da fiel mir auf, dass beide Jogging-Kleidung trugen. Was für ein Romeo-und-Julia-Moment in Zeiten von Corona. Zwei Teenager, die sich unter dem Vorwand Joggen zu gehen heimlich treffen, um mit innigen Küssen Viren auszutauschen.

– Ella, Head of Social Media 42 Magazine

Boston: Leaving the USA

Als ich meine Sachen packe, um Boston zu verlassen, laufe ich über den Harvard-Campus, auf dem es normalerweise von Studenten und Touristen nur so wimmelt. Heute ist er menschenleer.

Seitdem die Fitnessstudios in der Gegend geschlossen sind, nutzen die Leute das Freiluft-Fitnessstudio am Magazine Beach. Aber jetzt sind auch diese Geräte mit traurigem gelben Absperrband behangen. Hin und wieder kommt ein Jogger vorbei.

Als ich beschloss, nach Deutschland zurück zu gehen, führte der einzige verfügbare Flug über New York, dem Corona-Hotspot schlechthin. Da die meisten nationalen Flüge gestrichen wurden, musste ich einen Bus ausgerechnet nach Manhattan nehmen. Die Straßen dort waren gespenstisch leer. Zwei Tage nach meiner Ankunft, bekomme ich  eine gute Nachricht – mein COVID-19-Test ist negativ.

– Jonas, Interviewer 42 Magazine

München: Corona-Tanz im Supermarkt

Ich bin im Supermarkt bei mir um die Ecke in München und versuche, genug Abstand zu dem Mann vor mir zu wahren, der nacheinander alle Avocados anfasst – man muss ja schließlich auch zu Corona-Zeiten begutachten, welche von ihnen reif genug für die Guacamole ist… Ich laufe um die nächste Ecke, und doch, gerade als ich nichts Böses erwarte, passiert es! Erst in letzter Sekunde sehe ich die Frau, die mir entgegenkommt! Tatort: Der Gang, in dem die Dosen geschälter Tomaten perfekt aufgereiht sind, als wäre die Welt in Ordnung…

Wir bleiben ruckartig stehen, sehen beide aus, als hielten wir die Luft an. Sie klammert ihre Finger um den Griff des Einkaufskorbes, ich presse das Müsli fest als Schutzschild vor den Oberkörper. Dann müssen wir beide lachen. Wie schön, wenn sich die Anspannung kurzerhand in Luft auflöst. Ist die Stimmung in diesem kurzen Moment vielleicht so gut, weil uns das „umeinander herumtanzen“ an Kindergeburtstage erinnert? Beim Stopptanzen bin ich damals schon aufgeblüht!

– Lena, Chefredakteurin 42 Magazine

 

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